Donnerstag, 18. September 2008

Moderner Werteverfall?

Nein, ich komme jetzt nicht mit dem Argument, dass früher alles besser war. Dies zu sagen maße ich mir in meiner „Altersklasse“ (noch) nicht an. Da warte ich lieber noch, bis ich achtzig bin.

Was mir aber auffällt, das ist, dass auf vielfältige Weise Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Höflichkeit mehr und mehr aus dem Tugendkatalog verschwinden und in die Peripherie der Moderne verbannt werden. Immer seltener erlebe ich in öffentlichen Verkehrsmitteln, dass für ältere, gebrechliche oder behinderte Personen aufgestanden wird. Falls jemand auf der Straße hinfällt, so wird es als cool betrachtet, sich darüber zu amüsieren und das (vielleicht notwendige) Helfen gar nicht erst in Erwägung gezogen. Eine alte Dame, der die Einkaufstüte platzt und deren Orangen auf Wanderschaft auf den Bürgersteig gehen, darf sich gegenwärtig nicht wundern, wenn die begehrten und nicht billigen Südfrüchte von manchen Passanten als Fußbälle zweckentfremdet werden. „Bitte“ und „Danke“ werden sicher bald in den Fremdwörterkanon übernommen werden und etwas für andere zu tun, ohne an den Eigennutz („Was hab denn ICH davon“) zu denken, das befindet sich längst auf der Liste der vom aussterben bedrohter Spezies.

Ein typisches Jugendphänomen werden sich nun sicher Menschen höherer „Altersklassen“ beruhigen. Doch weit gefehlt! Das individual-isolierende Phänomen zieht sich durch die gesamte Demographie, auch durch jene „Altersklassen“ (mein neues Lieblingswort), die eigentlich eine Vorbildfunktion ausüben sollten.

Oft merkt man es erst, wenn man selbst der betroffene Leidtragende ist und nicht mehr nur als reiner Zuschauer wegsehend nebenher läuft. Doch dann hat sich der (Teufels)kreis längst geschlossen…

4 Kommentare:

Jelemania hat gesagt…

Als ich vor 3 Wochen aus dem Kroatien-Urlaub gekommen bin, verging mir es schon wieder!
In Kroatien bist du den ganzen Tag nur lächelnden oder lachenden Menschen begegnet. Wir sind Sonntags hier angekommen, somit mußte ich Montags einkaufen. Am Liebsten hätte ich dort niemanden angeschaut. Jeder der mir begegnet ist, wenn ich das mal so ausdrücken kann, hat eine Fresse gezogen. Nix und niemand hat gelächelt! Für mich unvorstellbar! Egal welche Laune ich habe, ein "Grins" im Gesicht, kannst du immer bei mir sehen!

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Kann ich mir gut vorstellen. Das Beste ist, selbst nicht so zu sein und die Masse der Menschen zu verlassen. Klingt sehr idealistisch, ist aber auch nur ein Anfang.

Frau Rossi hat gesagt…

Besonders einfach ist es ja auch geworden, sich anonym bzw. halbanonym in diversen Foren zu beschimpfen. Aber ich glaube, dieses spezielle Phänomen hängt eher mit dem Profilierungsgehabe einiger Weniger zusammen. Wenn sich da mal eine "Rotte" gefunden hat, werden die schnell stark. Haben vermutlich im "Real life" nicht die Hosen an...

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Da ich weiß, wen Du meinst, muss ich Dir zu 100% Recht geben, Tanja.