Sicher hat jeder schon einmal Sprüche wie „Komme Du erst einmal in mein Alter“, „Werde Du erst einmal vierzig“, „Was willst Du Jungspund mir denn sagen“ oder „Der ist jünger, der hat mich zuerst zu grüßen“ zu hören bekommen? Ein häufig von älteren und gesetzteren Persönlichkeiten verwendetes rhetorisches Mittel, um ihre Überlegenheit in Diskussionen und im Leben aufgrund ihrer höheren Anzahl von Lebensjahren zu demonstrieren. Leider wird dieser rhetorische Schachzug oft zur Kompensierung von fehlenden Argumenten oder zur Verschleierung von Defiziten des Älteren verwendet.
Und derartige Floskeln treiben mich zu der Frage, ob der jüngere Mensch tatsächlich mehr Respekt vor dem Älteren haben muss, nur weil dieser älter ist. Und zum Anderen, ob Argumente des Älteren aufgrund seines Alters automatisch mehr Gewicht haben müssen. Beides muss ein rational denkender Mensch mit nein beantworten.
Auch der Ältere muss dem Jüngeren mit Respekt und Anstand gegenüber treten, denn es begegnen sich zwei Menschen auf gleicher Ebene und nicht ein Höherer und ein Niedrigerer. Ebenso absurd wäre es, wenn sich jemand mit einem höheren Bildungsabschluss üben den mit dem Niedrigeren stellen würde oder der Einheimische über den Auswärtigen oder der Weiße über den Schwarzen oder der Mann über die Frau und so weiter.
Das einzige Maß in der Begegnung ist der Mensch und Respekt verdient ein Mensch (vgl. älteren Beitrag im Blog) nur aufgrund seiner Taten und nicht aufgrund seines Alters, seines Bildungsabschlusses, seines Titels, seiner Nationalität, seines Geschlechts oder was weiß ich was. Und das einzige Maß in der Diskussion ist es das Argument. Und das bessere, fundiertere oder stichhaltigere Argument kann jeder liefern, unabhängig von Alter, Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht oder sonstigen sekundären Eigenschaften.
Natürlich bezieht sich dies nur auf die Diskusethik und es ist selbstverständlich, dass man älteren und gebrechlicheren Menschen mehr Rücksicht entgegen bringen muss, da sie körperlich in der Regel eingeschränkt sind. Es ist eine selbstverständliche Sache der Höflichkeit und des Anstandes auf den körperlich Unterlegeneren Rücksicht zu nehmen.
Aber argumentativ kann der Jüngere dem Älteren durchaus überlegen sein und das muss so mancher Ältere noch lernen. Alt wird jeder von alleine, aber das Alter ist kein Garant für richtiges Handeln und richtige Argumentation. Und wenn man ehrlich ist, berufen nur die sich auf ihr Alter, die argumentativ nichts zu bieten haben. Hätten sie es, müssten sie sich nicht auf ihr Alter berufen, denn mit dem stichhaltigeren Argument könnten sie weit besser überzeugen als dadurch, dass sie sich auf ihr Alter berufen.
Lernen kann jeder von jedem und sicher leistet jeder seinen Beitrag in der menschlichen Vielfalt, ohne dass sich manche überlegen vorkommen müssen. Die Kraft des Argumentes sticht alles andere, um abschließend eine Metapher des Kartenspiels anzuführen.
4 Kommentare:
Das mußte wirklich mal angesprochen werden. Bin völlig Ihrer Meinung, Herr Heilmann. Viele Grüße aus dem Rheinland!!!
Vielen Dank!
PS: Habe gerade im anderen Post gelesen, dass Sie ein sogenannter "Mitfünfziger" sind. Unter diesem Aspekt finde ich es noch interessanter, dass Sie mir zustimmen.
hey HP
da hast du absolut recht!
mich nervt es immer wenn manche Ältere meinen sich auf ihr alter berufen zu müssen weil sie in einer Diskusion einfach nicht mehr weiter wissen. und das nicht zugeben wollen.
Liebe Grüße
Tammy
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