Donnerstag, 30. Oktober 2008
Keine falschen Unterschiede schaffen!
Montag, 27. Oktober 2008
Ist die "krankende" Geschichtsschreibung doch noch zu retten?
Am Freitag habe ich seit langer Zeit einmal wieder etwas in der regionalen Tageszeitung Rhein-Neckar-Zeitung gelesen, das mich erfreut hat. Diesen kleinen, ältere Ausführungen von mir bestätigenden Bericht habe ich eingescannt und hier beigefügt - zum komfortablen Lesen einfach anklicken.
Die Rede ist darin von einer das Wissen um die DDR betreffenden Studie, die von der Freien Universität Berlin durchgeführt wurde und als Ergebnis hatte, dass die deutsche Bevölkerung und insbesondere die junge Generation fast nichts über die DDR-Diktatur weiß. Zu dieser Studie, diesem Phänomen und zu den möglichen Gründen dafür habe ich schon in vorangegangenen Artikeln Stellung bezogen und dargelegt, dass die DDR in der deutschen Geschichtsschreibung und der öffentlichen Meinung stark verharmlost und regelrecht ausgeklammert wird. Dieses von bestimmten politischen Kreisen und den mehrheitlich aus dem Dunst der 68er stammenden meinungsgebenden Journalisten, Politikern und Lehrern gesteuerte Verhalten verfolgt unseriöse politische Ziele. Eines davon ist mit Sicherheit die Entschuldung der unseriösen linksextremen Partei „SED-PDS-Die Linke“, die gegenwärtig in Westdeutschland hofiert wird und tragischer Weise eventuell in Hessen auch bald wieder die Politik mitgestalten und mitprägen könnte. Ein Projekt, das gerade Formen gewinnt und einer blutbefleckten diktatorischen Partei den Weg ebnet. Eine ganz schlimme Sache!
Es ist nun aber für jeden des Denkens mächtigen Demokraten zu begrüßen, dass in Baden-Württemberg eine verstärkte Aufklärung über die menschenverachtende DDR stattfinden soll und dieses vernachlässigte totgeschwiegene Thema mehr in den Fokus der Schulbildung und der öffentlichen Meinung rücken wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die heutigen Gesinnungsgenossen der alten Kader in Presse, Politik, Schule und Wissenschaft dieser positiven Idee keinen Riegel vorschieben werden und das Ganze zu einem aufklärerischen Modell für ganz Deutschland werden kann, in welchem radikale, extremistische und diktaturverharmlosende Parteien keinen Platz haben…
Mittwoch, 22. Oktober 2008
War die RAF (personell) mehr als bisher bekannt?
Aufgrund derzeitiger cineastischer und bestsellerischer Aktualität habe ich mich in den letzten Wochen vermehrt mit der RAF und insbesondere mit den Prozessen gegen deren Gründer in Stuttgart Stammheim beschäftigt. Dabei habe ich nicht nur das mehrere hundert Seiten umfassende Standardwerk von Stefan Aust in Augenschein genommen, sondern bin auch tiefer in die Materie eingestiegen und habe weniger bekannte Werke und Dokumentationen, sowie der historischen Forschung zur Verfügung gestellte Tondokumente gesichtet. Ich werde in den nächsten Tagen mit einem ausführlicheren und sicher mehrteiligen Artikel dazu hier aufwarten.Was ich aber jetzt schon sagen kann und was mich bei der Recherche unheimlich bewegte, das ist das verwobene Netz zwischen Terroristen, Anwälten, Wissenschaftlern und (aktuelleren) Politikern, das sich abzeichnet. Es mag kein Geheimnis sein, dass Bundesinnenminister a. D. Otto Schily und der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele unrühmliche Rollen im Umfeld der RAF und des Stammheim Prozesses spielten. Auch ist sicher kein Geheimnis, dass der spätere NPD-Anwalt Horst Mahler zu den Gründern und Mitgliedern der RAF zählte. Im Übrigen hatte Mahler seltsamer Weise erst als er sich später von der linken zur rechten Szene wandte mit wirklichen Konsequenzen zu rechnen, aber das ist wieder ein anderes Thema, auf das ich schon anderweitig eingegangen bin.
Doch ist der bundesrepublikanischen Bevölkerung auch bekannt, dass der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder über seinen Schützling und Mandanten Horst Mahler vielleicht Kontakte in das Umfeld der RAF hatte? Und welche Rolle spielen Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit, deren Verhältnis in die linke Terrorszene immer noch nicht abschließend geklärt ist. Und was hatte der noch immer in einschlägigen Kreisen gefeierte linke Studentenheld Rudi Dutschke mit der RAF zu tun? War da mehr bei ihm als bloße Sympathie bei ihm? Alles Namen auf die man seltsamer Weise (oder nicht seltsamer Weise?) immer wieder in diesem Zusammenhang stößt...
Viele Fragen – wenige Antworten. Um hinter dieses Netzwerk zu kommen muss man sicher sehr sehr tief in die Materie einsteigen. Das was ich in ein paar Tagen bereits erfahren, gelesen und angehört habe, das schockiert mich nicht gerade wenig. Insbesondere schockiert mich daran, wie viele Personen mit Nähe zur blutigen RAF in den letzten Jahren politische Karriere gemacht haben, sogar bis in die höchsten Ämter unseres Staates.
Virtueller Realitätentausch am Pranger
Inspiriert durch einen Beitrag in Jelenas Blog habe ich mir nun auch die Beiträge im Schönauer Forum auf der Plattform www.wer-kennt-wen.de angesehen. Und ich muss gestehen, über so manches kann man einfach nur den Kopf schütteln.
Dabei meine ich nicht, dass von mancher bornierter Seite dieses Forum systematisch zum Stänkern missbraucht wird oder dass manche Schreiber nicht einmal im Entferntesten der deutschen Sprache mächtig zu sein scheinen. Über die Störenfriede und die Orthographievergewaltiger kann ich hinwegsehen. Auch empfinde ich es nicht als störend, wenn Menschen dort ihre Erfahrungen und ihre Meinungen publizieren; auch nicht, wenn diese fern der Realität und des guten Geschmacks sich verorten. Nein, das alles stört mich nicht und hat sicher in einer pluralistischen Meinungsgesellschaft seinen Sinn und seinen zugewiesenen Standort. Jedem denkenden Menschen ist die Art und Weise des wertenden Umgangs damit selbst überlassen.
Geschmacklos finde ich aber, wenn sich manche Schreiber als Opfer der Schönauer betrachten und so tun, als ob man hier Gefahr laufe angeprangert zu werden, sofern man nur versuche harmlose Kritik zu äußern. Und groteske Züge nimmt dies schließlich an, wenn man sieht, mit welchen destruktiven Verbalattacken diese Personen und ihr Umfeld sich in besagtem Forum meistens äußern und sich durch ihren zweifelhaften Stil fern jeder Konstruktivität platzieren.
Der vermeintlich harmlose Täter-Wolf stellt sich als Opfer der vermeintlich gefährlichen Schafe dar und vertauscht so geschickt die Realitäten zwischen Tätern und Opfern. Im Schafspelz beklagt er das angebliche Anprangern seiner selbst und hat doch gerade erst die Leichen seines selbst aufgestellten Prangers entsorgt und diesen für den nächsten Einsatz bereit gemacht.
Absurdes Theater und Surrealismus bedienen sich auch gerne des realitätenumkehrenden Stilmittels. Dort ist es literarisch gesehen meistens sehr unterhaltsam, in der Wirklichkeit dagegen ist es unschön und unlauter. Gott sei Dank jedoch stets durch beweisbare Tatsachen einfach zu widerlegen, oftmals - im Sinne des Sportsgeistes - sogar ein klein wenig zu einfach, da es sich fast immer selbst ad absurdum führt...
Dienstag, 21. Oktober 2008
Die dankbare Ergiebigkeit der politisch korrekten "Lüge von Mittweida"
Sicher erinnern sich die meisten noch an den Hakenkreuzfall von Mittweida. Die nunmehr 18-jährige Rebecca K. hatte Ende letzten Jahres einen Skinhead-Überfall angezeigt, wobei ihr ein Hakenkreuz von vier Neonnazis in die Hüfte geritzt worden war. Laut ihrer Aussage hatten die Rechtsextremen zuvor ein fünfjähriges weißrussisches Aussiedlermädchen angegriffen, wogegen sie couragiert eingeschritten war, daraufhin dann aber überwältigt wurde. Mehrere Zeugen hätten den Vorfall beobachtet, waren aber nicht eingeschritten.Nachdem der Vorfall nunmehr an öffentlich bekannt wurde, wurde Rebecca K. mit dem „Ehrenpreis für Zivilcourage“ des Bündnisses für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet und ihr couragiertes Engagement in die mediale Öffentlichkeit gerückt. Die Laudatio hielt eine ehemalige Staatssekretärin der SPD, andere Politiker aller Parteien übten sich in respektvoller Beipflichtung und stimmten in den bundesweiten Lobgesang ein. Es gab Schweigeminuten, Mahnwachen, offene Briefe, Friedensgebete, Demos und anderes...
...doch es sollte sich herausstellen, dass sich alles nur in der Phantasie von Rebecca K. abgespielt habe...
Die ersten Zweifel an der Sache waren schon kurz nach dem Bekanntwerden aufgekommen, nachdem sich keiner der angeblichen Zeugen – trotz Aussetzung von 5.000 Euro für sachdienliche Hinweise – bei der Polizei gemeldet hatte. Trotz dieser Tatsache und eines die Selbstverletzung bestätigenden medizinischen Gutachtens und obwohl das besagte angegriffene Kind am Tattag nachweislich gar nicht in der Stadt war, wurde Rebecca K. im Februar 2008 mit dem erwähnten „Ehrenpreis für Zivilcourage“ ausgezeichnet. Dies obwohl bereits gegen sie wegen Vortäuschens einer falschen Straftat von der Chemnitzer Staatsanwaltschaft ermittelt wurde und obwohl es in der Vergangenheit schon einige Fälle von Straftatenvortäuschung zu Lasten vermeintlicher Rechtsextremer gegeben hatte.
In diesen Tagen wird mit dem Prozessurteil gerechnet, nachdem das Gericht noch weitere Verhandlungstermine für den 30. Oktober und den 4. November 2008 angesetzt hatte und nicht wie angekündigt bereits am 13.Oktober zur Urteilsverkündung kommen konnte. Auf die Reaktionen darf man gespannt sein...
Es wird deutlich, sich als Opfer von Rechts zu bezeichnen ist ein ergiebiges Feld für Aufmerksamkeitsheischende, wie dieser Fall oder der ähnliche Fall in Sebnitz aus dem Jahre 1997 lehren. Denn im Gegensatz zu den allgemein verharmlosten Straftaten von linker Seite stürzen sich die Medien förmlich auf jede noch so kleine Andeutung oder Möglichkeit einer vermeintlichen rechten Straftat. Fast auf sakrale Weise wird das Ganze dann medial aufgebauscht und dämonisiert, dicht gefolgt von Politikern und anderen politisch korrekten Gestalten, die in diesem Strom gerne mitschwimmen und dadurch politisches und anderweitiges Kapital schlagen. Ein medial geschaffener und politisch profitabler Aufschrei von „vermeintlich anständigen“ Unanständigen.
Kein intelligenter Mensch wird verneinen, dass extremistische Gewalt – egal ob von rechts oder von links – abzulehnen ist und dass man Rechts- und Linksextremisten stets dringend entgegen wirken muss. Aber wenn, dann auch richtig effektiv und nicht mit pseudomedialen Anständigkeitskampagnen, die sich auf nichts als Behauptungen stützen und bei der kleinsten kritischen Hinterfragung in Schall und Rauch aufgehen. Mit derartigen Dämonisierungen erreicht man genau das Gegenteil und stärkt – wie in diesem Fall - die rechtsextreme Seite, deren Vertreter sich als Opfer und Märtyrer hoch stilisieren können. Und das ist hoch gefährlich!
Samstag, 18. Oktober 2008
"Deutschland keine Demokratie?" - Eine kritische Prüfung der Äußerungen der Linkspartei
Demokratie ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl politischer Ordnungen, deren Herrschaft auf dem Willen des Volkes basiert und deren wichtiges Kriterium die Rechenschaftspflichtigkeit der Herrschenden gegenüber den der Herrschaft Unterworfenen darstellt. Idealistisch kann man das Ganze unter „Gouvernement of the people, by the people and for the people” subsumieren.
Eine funktionierende Demokratie muss in der Regel vier Minimalbedingungen erfüllen. Dies sind (1) die folgenreiche Partizipation der erwachsenen männlichen und weiblichen Bevölkerung bei der Wahl und Abwahl der politischen Führung, was (2) im Rahmen allgemeiner, freier und gleicher Wahlen erfolgen muss, welche in regelmäßigen kürzeren Zeitabständen abgehalten werden. Zusätzlich notwendig ist das (3) Vorhandensein eines höheren Maßes an unbehinderter Interessen- und Meinungsäußerung, Interessenbündelung und Opposition, so wie in der Regel auch (4) das Vorhandensein von Verfassungsstaatsinstitutionen. [Vgl. dazu Manfred G. Schmidt: Wörterbuch der Politik und Nohlen, Dieter: Lexikon der Politikwissenschaft].
Dass folgenreiche Partizipationsmöglichkeiten beider Geschlechter durch allgemeine, freie und gleiche Wahlen bestehen, das bedarf keiner weiteren Erläuterung. Auch kann als unumstritten gesehen werden, dass die Wahlen ihrer inhaltlichen Komponente entsprechende Folgen haben und der durch die Wahlen ausgedrückte Willen sich direkt durch die Zusammensetzung der gewählten Staatsorgane abbildet. Auch das Vorhandensein von Verfassungsstaatsinstitutionen kann als erfüllt betrachtet werden, da die Staatsorganisation durch kodifizierte Verfassungsrechtsnormen wirksam geregelt ist und deren Tätigkeiten an Verfassung und Recht gebunden, gezügelt und begrenzt sind. Ebenso existiert ein höheres Maß an unbehinderter Interessenäußerung, Interessenbündelung und Opposition. Lediglich im Bereiche der Meinungsäußerung sind in Deutschland kleinere Defizite erkennbar, da vereinzelte Meinungen einen erschwerten Zugang zu öffentlichen Meinungsträgern haben und manche Meinungen aufgrund von übertriebener politischer Korrektheit (political correctness) nicht frei geäußert werden können beziehungsweise reglementiert sind.
Man erkennt also bereits nach minimaler semi-politikwissenschaftlicher Prüfung, dass der von Peter Sodann und anderen Vertretern der Linkspartei geäußerte Vorwurf, Deutschland sei keine Demokratie, ganz einfach entkräftet werden konnte. Die BRD mag vielleicht nicht die am perfektesten funktionierende Demokratie sein, kommt dieser allerdings sehr nahe.
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Unterschwellige Zensur für eine "verordnete" Meinungsbildung?
Heute bin ich öfters mal über das Wort „Meinungsfreiheit“ gestolpert und habe mir in diesem Zusammenhang überlegt, ob wir in der Bundesrepublik überhaupt so etwas wie Meinungsfreiheit haben. Dabei sei voran gestellt, dass es selbstverständlich ist, dass die Meinungsfreiheit ihre Grenzen hat und persönliche Rechte anderer nicht auf beleidigende Art und Weise berührt werden dürfen. Umgangssprachlich bedeutet dies, dass jeder öffentlich seine Meinung äußern darf, sofern er dadurch niemanden beleidigt.Nun musste ich aber feststellen, dass in den unterschiedlichsten Internetforen eine Zensur stattfindet, insbesondere in etablierten Foren von Zeitungen und Fernsehsendern. Gegenwärtig ist dies in der aktuellen Debatte um Marcel Reich-Ranicki und seine Kritik am deutschen Fernsehen zu beobachten. Während die inhaltliche Ebene der Kritik von Reich-Ranicki vielfach Zustimmung findet und die Übergreifende Meinung vorherrscht, dass das Niveau des Fernsehens diskussionswürdig ist, stehen aber der formalen Ebene (Reich-Ranickis Äußerung und seinem unhöflichen Stil) viele Menschen zurecht kritisch gegenüber.
Nun muss man feststellen, dass sich in den meisten Foren nur Reich-Ranicki lobende Beiträge finden, teilweise sogar ihn glorifizierende Beiträge. Einzig unter den letzten, unmittelbar abgegeben Beiträgen finden sich Meinungen, die seine Äußerungen und seinen Stil kritisch begutachten. Nach kurzer Zeit sind diese kritischen Beiträge, obwohl sie in keiner Weise beleidigend waren, plötzlich verschwunden und im Forum nicht mehr vorhanden. Hierdurch entsteht ein falsches, den Tatsachen nicht entsprechendes Bild der öffentlichen Meinung.

Da Internetforen seit geraumer als allgemeine Meinungsbarometer gewertet und sowohl Meinungen als auch Meinungsrichtungen daraus zitiert werden, stellt dieser Sachverhalt eine Zensur der öffentlichen Meinung dar. Eine gesteuerte Vortäuschung einer falschen beziehungsweise nicht vorhandenen öffentlichen Meinung, die dann als Belege und ähnliches herhalten muss.
Den Menschen wird zwar noch nicht gesagt, was sie zu denken haben, aber es wird ihnen gesagt, was sie denken und irgendwann vielleicht denken sie es dann wirklich. Ist eben nur der unauffälligere indirekte Weg...
Dienstag, 14. Oktober 2008
Einen Anstands- und Benimmkurs für Reich-Ranicki
Zugegeben, er hatte Recht mit seiner Kritik. Das Fernsehen bewegt sich auf niedrigem Niveau. Das ist bekannt und wurde schon von vielen Persönlichkeiten und auch von Medienwissenschaftlern kritisierend geäußert.
Aber dass nun Reich-Ranicki sich als Moralist aufspielt und dieses Niveau kritisiert, das ist mir unverständlich. Unverständlich deswegen, da sein eigenes diskursives Niveau und seine Sprache alles andere als vorbildlich sind. Man könnte sie eher als das genaue Gegenteil von dem bezeichnen, was man unter der großen Phrase "mediale Vorbildlichkeit" zusammen fassen würde.
Mit einer großen Portion Zynismus (und hier begebe ich mich einmal kurz auf MRRs Niveau) könnte man fast sagen, dass jedesmal, wenn er seinen Mund öffnet nur selbstverliebtes Gestotter hervorkommt, das mit einer Würze selbstverliebtem Sarkasmus auf Kosten anderer versehen und mit einem Schuss Fäkalsprache angereichert ist.
Was ich überhaupt nicht verstehen kann, das ist, dass er sich eines so hohen Ansehens erfreut. Gut, in der veröffentlichten Meinung wurde er schon immer übertrieben hofiert. Das ist nichts neues. Dass er aber nun auch in der öffentlichen Meinung ungemein hochgehalten wird und teilweise als Retter der Fensehnation gelobt wird, das will mir nicht einleuchten. Das ist für mich künstlich geschaffenes boulevardmediales Glorifizierungsgehabe in bester Form.
Würde Reich-Ranicki sich einer anständigen Sprache bedienen und vor allem andere Menschen mit Respekt behandeln, dann hätte auch er sich meinen Respekt verdient. Aber seine intolerante zynische und herablassende Art bedarf eher der scheltender Zurechtweisung als der überschätzten verkulteten Glorifizierung.
Anstand und gutes Benehmen kann man lernen, Herr Reich-Ranicki. Dafür gibt es spezielle Kurse - nicht nur für junge Menschen, auch für 88-Jährige mit defizitärer Kinderstube.
Montag, 13. Oktober 2008
Marcel Reich-Ranicki - Entgleisungen eines alternden Berufsflegels?
Es gibt Personen, die kritisiert man nicht. Der deutsche „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki ist so einer, der sich in einer kritikresistenten Vakuumblase durch die Lebenswelt bewegt und nach allen (vom ihm selbst geschaffenen) Regeln der Kunst kräftig austeilt, aber selbst eine Aura der Immunität sein Eigen nennt.
Zugegeben, ich wollte nicht mit ihm tauschen, insbesondere nicht vor dem Hintergrund, welche Angst und welches unsagbare Leid er zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ertragen musste. Als ich seine Autobiographie vor wenigen Jahren gelesen habe, da erschütterte mich dieses menschliche Schicksal und ich empfand für sein Durchstehen in dieser dunklen Zeit großen Respekt. Diese Meinung habe ich nach wie vor und auch seine kommunistische Geheimdienstaktivität nach Kriegsende schmälern dieses Bild in keiner Weise.
Marcel Reich-Ranicki ist jedoch nicht nur das Opfer der unmenschlichen nationalsozialistischen Diktatur, sondern auch der Literaturkritiker der Nachkriegszeit. Und dieser Abschnitt seines Lebens muss gesondert begutachtet werden.
Betrachtet man seine Biographie in der Nachkriegszeit, so fällt in erster Linie auf, dass er in diesem Abschnitt seines Lebens eine Menge Glück gehabt hat. Er kannte die richtigen Leute in den richtigen Positionen und hatte auch im Kreise der intellektuellen Schriftsteller einige Förderer, die sich seiner angenommen haben. Da sich auch wissenschaftliche Entscheidungsträger in dieser Riege einreiten, konnte der Mann ohne Universitäts- und Berufsabschluss sich auch im Verlauf der Jahre einiger Ehrendoktor- und Ehrenprofessorentitel erfreuen. Und da Preise und Ehrentitel sich gerne gegenseitig anziehen, kam noch das eine oder andere „Pokälchen“ im Laufe der Jahre hinzu…
Schaut man sich aber seinen Stil etwas näher an, so fällt insbesondere seine gnadenlose anmaßende Arroganz auf. Er maßt sich an, den Menschen vorzuschreiben, was sie zu lesen haben und entscheidet gerne mal was gute und schlechte Literatur ist. Gewiss ist dies seine Aufgabe als Literaturkritiker, doch sein Stil des Kritisierens ist dermaßen intolerant, dass nicht selten vernichtende Urteile herauskommen und Meinungen anderer angesehener Kritiker von ihm als unsinnig und schlecht gebrandmarkt werden. Er nimmt sich heraus, die einzige richtige Meinung zu vertreten (woran man deutlich merkt, dass er nie durch eine wissenschaftliche Schule gegangen ist) und so quasi allein als Überwesen der Literatur zwischen gut und schlecht entscheiden zu können. Gerne bedient er sich dabei vulgärer beleidigender Sprache, derben Pauschalverurteilungen, flegelhafter persönlicher Herabsetzungen und anderer diskursiver Schlechtigkeiten.
Aber das schlimmste daran ist, dass die veröffentlichte Meinung wie ein Schutzschild hinter ihm steht, ihn vor jeder Art der Kritik in Schutz nimmt und sich dies dann auch auf die unkritischen Medienfiguren, Moderatoren, Laudatoren und Kommentatoren überträgt, die ihn bis in die höchsten Ebenen hofieren. Es wird dadurch etwas geduldet, das bei anderen Personen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Ende der Karriere oder andere Repressalien bedeuten würde. Doch wer hier kritisiert, der zieht geballte Ladungen von Medien, selbsternannten Tugendrichtern und anderen Institutionen auf sich und wird schnell - des Eigenschutzes wegen - schweigen.
Solange solche von den Medien (und anderen ) geschaffene Kultfiguren weiterhin Narrenfreiheit genießen, so lange müssen wir uns auch ihre Flegeleien im Fernsehen ansehen, wie Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises wieder bestens bewiesen hat. Er erlaubt sich Flegeleien und das im Rampenlicht stehende Publikum applaudiert und spendet stehende Ovationen.
Zwar kritisiert er zu Recht das niedrige Niveau der Medien- und TV-Landschaft. Paradox daran ist aber, dass er durch seinen Stil sich auch nicht auf niveauvollerem Boden bewegt als so manche nachmittägliche TV-Talkshow, auch wenn die Materie, mit der er sich beschäftigt von höherem Niveau ist. Seine Art und sein Stil sind es jedenfalls nicht, sofern man normale diskursive Maßstäbe anlegt. Und aus diesem Grund sollte er die Steine aus der Hand legen und sein Glashaus freiwillig verlassen, denn sich mit niveauvoller „Materie“ abzugeben bedeutet noch lange nicht selbst Niveau zu haben. Reich-Ranicki liefert den Beweis immer wieder auf’s Neue.
Freitag, 10. Oktober 2008
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Ein Exemplar des vielfach verleugneten "Schießbefehls" in der DDR






Zum lesen einfach anklicken oder die Grafik speichern und in einem Grafikprogramm betrachten. Trotz dieser vorliegenden Anweisung (insbesondere Seite 3 / 75) gibt es immer noch Kreise um die alten Kader und im Umkreis der SED-PDS-Linkspartei, die die Existenz eines "Tötungsbefehls" leugnen, Tatsachen verdrehen und dadurch - die Opfer verhöhnend - das unmenschliches diktatorische Regime glorifizieren.Buchvorstellung: H. Matthias Kepplinger - Die Mechanismen der Skandalierung
In diesem Buch des anerkannten Wissenschaftlers Hans Mathias Kepplinger werden verschiedene bundesrepublikanische Skandale der letzen Jahre betrachtet, verglichen und darüber hinaus nach Gemeinsamkeiten gesucht. Kepplinger erkennt und belegt, dass die Skandalierungen in Deutschland mehrheitlich einem feststellbaren Muster folgen, unabhängig ob der inhaltliche Sachverhalt eines Skandals würdig ist oder nicht. Einmal angestoßen treiben Medien, Politiker und teilweise sogar die Wissenschaft den vermeintlichen Skandal voran, ohne dabei auf ethische Diskurswerte und ähnliches Rücksicht zu nehmen. Sogar menschliche und institutionelle Verluste werden dabei rücksichtslos in Kauf genommen Oftmals verlässt die Auseinandersetzung den sachlichen Raum (sofern sie vorher dort Platz genommen hatte) und bewegt sich nur noch angreifend auf der persönlichen Ebene. Professor Kepplinger hat hier eine systematisch-schematische Einordnung versucht, die ihm gut gelungen ist. Und auch seinem provokativen Fazit („Was in totalitären Systemen der Schauprozess war, ist in demokratischen Gesellschaften der Skandal“) muss man zuzustimmen. Eine mittelschwer geschriebene Studie für alle, die sich nicht gerne vordenken lassen, den eigenen Verstand gebrauchen wollen und auch mal nach dem „Warum?“ fragen.

