Freitag, 30. April 2010

Maikrawalle - Die traurige Wiederholung eines ewigen link(isch)en Spiels

Nun ist es wieder soweit, der 1. Mai steht vor der Tür. Das Datum, an dem so manches anders ist und auf das sich bestimmte politische Gruppierungen das ganze Jahr über freuen.

Mit vordergründiger Berufung auf das Versammlungs- und Demonstrationsrecht, sowie auf das Recht zur politischen Betätigung findet einer der größten Missbräuche jener einst erkämpften demokratischen Rechte statt. Eingetaucht in den mentalverstärkende Wirkung gewisser „Mentalveränderer“ und ähnlichem stilisieren sich manche linke oder euphemistisch als autonom bezeichnete Gruppen in einen Rausch, der an vergangene Zeiten zu erinnern vermag.

Grenzen werden durchbrochen und ähnlich wie siegreiche barbarische Völker (die Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung stellt ja gewisser Maßen auch einen traurigen Sieg dar) oder wie wütende SA-Gruppen der 30er-Jahre stellt weder das Eigentum anderer, noch die körperliche Unversehrtheit oder gar das Leben ein Einhalt gebietendes Hindernis dar.

Wo wird das alles noch hinführen – Quo vadis, Germania?


Mittwoch, 28. April 2010

Das Bild der Dutschkes und Co. - Von denen, die auszogen, die Gesellschaft zu verändern...

Gestern lief im ZDF um 20.15 Uhr ein Film über Rudi Dutschke, der versuchte, ein unvollständiges Gesamtbild seines Lebens, der Aktivitäten des SDS und der ganzen 68er-Bewegung zu zeichnen. In diesem Konstrukt kamen einige viele Weggefährten (fast alle in gegenwärtigen Positionen mit Macht und Einfluss) und einige wenige Kritiker des Herrn Dutschke zu Wort.

Dass ich von der 68er-Bewegung, die ansatzweise durchaus wenige vernünftige Denkansätze gehabt haben mag, überaus wenig halte, das dürfte hinreichend bekannt sein. Dabei befürworte ich durchaus ein „auf-die-Straße-gehen“, ein „seine-Ideale-leben“ und ein „für-seine-Denkansätze-und-Überzeugungen-in-der-Öffentlichkeit-einstehen“.

Wenn sich das Ganze dann allerdings wie bei den meisten 68eren dermaßen ideologisiert, dass Feinbilder künstlich geschaffen werden, eine an zwei Maßstäben gemessene Doppelmoral Einzug hält und man sich selbst gewisser Methoden in Handlungen bedient, die man in Schriften und Worten ablehnt, dann spüre ich große Befremdung. Man kann nicht eine Diktatur ablehnen und eine andere (die sich ähnlicher Methoden und Mittel bedient) hofieren, man kann nicht Gewalt verurteilen und selbst anwenden, man kann nicht den Wert des menschlichen Lebens und der körperlichen Unversehrtheit propagieren, Verletzte und Tote aber billigend in Kauf nehmen. Und zu Guter letzt werden auch noch peripher erkennbare Ideale für Macht, Einfluss und nette Ämter über den Haufen geworfen. Die Liste der 68er-Paradoxa könnte man beinahe unendlich fortsetzen und der vermeintlich hohe moralische Anspruch löst sich sehr schnell in Rauch auf, wenn man die dunkelrote (und später grüne) Brille absetzt…

Dass die 68er nichts erreicht haben, das kann man nicht sagen. Dass sie wenig Positives erreicht haben und nur sich als in die Jahre gekommene Anti-Patrioten selbst gerne mystifizieren, daran kann kein Zweifel bestehen. Das was sie sich als Erfolg auf die Fahnen schreiben, das fand alles auch in mit Deutschland vergleichbaren Ländern ohne entsprechende 68er-Bewegung statt. Dass sie die Gesellschaft verändert haben, insbesondere durch ihren schleichenden Marsch durch die Institutionen in die Schaltzentralen der Politik, Gesellschaft und insbesondere Presse, auch daran kann kein Zweifel bestehen. Allein der nutzenmaximierende Pseudo-Individualismus, die Entwertung des Denkens und Handelns, sowie die Anonymisierung sind Beispiele von Misserfolgen der Bewegung, mit denen unsere Gesellschaft noch lange kämpfen muss.

Langsam nimmt der Einfluss der (Alt-)68er aber ab und es mehren sich kritische Stimmen, nachdem die Protagonisten ihr Bild in der Öffentlichkeit nicht mehr komplett selbst verfassen können. Es bleibt also noch Hoffnung, auf die Rückkehr der Werte, des Miteinanders und des Anstands…

Donnerstag, 22. April 2010

Fallstudien des Spiegels unserer Gesellschaft als Armutszeugnis und Hoffnung zugleich...

Immer wieder erstaunt mich doch, wie wenig gute Manieren oder einfache Höflichkeitsfloskeln in unserer Gesellschaft etabliert sind. Entgegen weit verbreiteter Vorurteile ist dies kein Phänomen der Jugend, der Ungebildeten oder der untersten sozialen Schichten. Im Gegenteil, dieses Phänomen zieht sich durch alle Altersklassen, alle Bildungssparten und alle soziale Schichten. Zugegeben, ich hatte schon früher diesen auf Beobachtungen gegründeten Gedanken, doch seit ich Inhaber einer Buchhandlung mit dazugehörigem Antiquariat und integrierter Postagentur bin, verfestigt sich dieser Gedanke mehr und mehr – leider empirisch durch eine Vielzahl von Fallstudien begründet. Und das Tragische an diesem fast satirisch anmutenden Beitrag ist, dass es sich um fast die Hälfte der Menschen handelt, mit der ich täglich auf welche Art auch immer zu tun habe.

Ich verlange ja gar nicht, dass jemand, der ein Geschäft betritt so viel Größe hat, dass ein freundlicher Gruß oder zumindest ein Lächeln über die Lippen kommt. So viel will ich der armen gestressten Menschheit nun doch nicht zumuten. Aber ich denke, dass ich durchaus erwarten kann, dass mein freundliches „Guten Morgen“, „Guten Tag“, „Guten Abend“ oder einfach nur „Hallo“ zumindest erwidert wird und man mich dann nicht einfach nur schweigend anstarrt.

Ein weiteres Defizit der heutigen Zeit, das ist die schleichende Etablierung des coolen Weglassens von „Bitte“ und „Danke“. Nein, nicht nur bei jungen Obercoolen, sondern auch insbesondere bei älteren Damen und Herren. Und wenn dann die Artikulation des Wunsches mehr einem harschen Befehlston als einem Wunsch gleicht oder besagte Artikulation derart von oben herab kommt, dass man denkt, man hätte mindestens einen Halbgott vor sich (und die Prüfung besagter Göttlichkeit der Realität nicht stand hält), dann beginnt man sich doch schnell ob des Vorhandensein der sogenannten „Kinderstube“ zu fragen.

Von Fäkalsprache und ähnlichem beginne ich hier nun mal nicht zu schreiben, denn möglichweise könnte sich so mancher ortsansässige Verbalkrawallmacher wieder erkennen. Es sei nur gesagt, dass mir die ungeahnten Ausmaße der Qualität und der Quantität der Fäkalsprache bei weitem nicht bewusst waren und dies, obwohl ich während meines Studiums im Obdachlosenheim gearbeitet habe. Dort habe ich allerdings Menschen kennen gelernt, die trotz ihrer Positionierung außerhalb der Gesellschaft und Ihrer Stigmatisierung als Asozialer, Penner oder sonstigem, mehr Herz und Größe hatten als so manches andere vordergründig akzeptierte Mitglied der Gesellschaft. Damit will ich sagen, dass mancher der dortigen Randfiguren um einiges freundlicher war und auch weit mehr Höflichkeit besaß, als die Quantität der Menschen, die auf andere herunter schauen und sich durch Ihr Benehmen doch selbst in das abseitigste gesellschaftliche Abseits stellen.

Nachdem der nächste Unflat (egal ob alt oder jung, im Anzug oder in Jeans) ohne Erwiderung des freundlichen Grußes und ohne ein dankendes Bitte oder ein bittendes Danke von dannen gezogen ist, lächle ich nur müde ich mich hinein, sicher jedoch auch für andere sichtbar. Zwar leicht traurig über solch gesellschaftliche Armut, aber auch irgendwie froh, dass diese Ärmsten der Armen noch nicht die Oberhand in unserer Mitte gewonnen haben. Denn dieses Lächeln wird vom Nächsten vielleicht erwidert…