SPD und Grüne haben Joachim Gauck nominiert - dies erstaunt mich. Erstens schätze ich Joachim Gauck persönlich sehr, zweitens weiß ich um seine aufrichtigen integrativen Fähigkeiten, drittens mag ich seine unopportunistische Art zu Reden und zu Schreiben, viertens habe ich enormem Respekt vor seiner Jagd auf die Verbrecher der früheren DDR und fünftens muss ich schmunzeln, dass gerade das gemäßigte linke Lager Herrn Gauck nominiert hat. Letzteres, da er zwar Mitglied von Bündniss 90 war, sich inhaltlich politisch allerdings eher im konservativen Bereich verortet und sich in den letzten Jahren in kritischen Worten und Schriften stark von den Grünen distanziert hat. Letzteres spricht sicher nicht gegen ihn.Dass die SED-PDS-Linke Herrn Gauck ablehnt war zu erwarten, denn immerhin liegt sein größtes Verdienst in der Aufarbeitung der Taten der SED-Kader, der Schaffung eines publizistischen Raumes gegen linkspolitische Verbrechen und der Institutionalisierung der schriftlichen Zeugnisse des verbrecherischen Regimes der DDR. Und da die SED-PDS-Linke einen großen Teil der alten Kader und insbesondere der Sympatisanten und Verharmloser der zweiten Diktatur auf deutschem Boden in ihren Reihen weiß, war mit der Ablehnung dieses honorigen Mannes definitiv zu rechnen. Die NSDAP-NPD würde ja auch nicht Nazi-Jäger Shimon Wiesenthal nominieren...
Gauck als Bundespräsident wäre eine würdige Nachfolge für Horst Köhler. Ein unbequemer Denker und Pragmatiker, der aus seiner Abneigung gegen Opportunismus nie einen Hehl gemacht hat, der offenen Widerpruch gegen den Mainstream lebt und der sicher auch die entsprechende Neutralität und Würde für dieses Amt wahren könnte.
Der bessere Kandidat des konservativen Lagers oder eher ein besserer Kandidat aller Parteien (außer natürlich den Rechts- und Linksextremisten)? Vielleicht?!


