Montag, 5. Oktober 2009

Das "Mahnmal Eiserner Vorhang" an der österreichisch-tschechischen Grenze - Einsamer Streiter wider das Vergessen!

Vor wenigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, das „Mahnmal Eiserner Vorhang“ an der österreichisch-tschechischen Grenze zu besuchen und dort einen Augenblick zu verweilen. Es ist eine kleine Gedenkstätte, die sich mit der bis 1989/1990/1991 andauernden Teilung der Welt und der Unterdrückung der Menschen in den kommunistischen Regimen des Ostblocks beschäftigt. Leider ist die Stätte trotz ihrer wichtigen historischen Aspekte, trotz ihres mahnenden Auftrages und trotz ihres lehrreichen Inhalts weitgehend unbekannt. Hier ein paar Impressionen über ein zeitlich nahes und zu oft verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte, dessen Aufarbeitung gerade in Deutschland sich leider bisher größter Zurückhaltung erfreut.

Gezeigt werden die Stacheldrahtanlagen des "Todesstreifens" und Teile des verminten und mit tödlichen Waffen gesicherten Areals, das viele Leben kostete und die Menschen in ihren Ländern wie in modernen Massengräbern einsperrte. Eine wetterfeste Ausstellung mit Erklärungen und Gedenktafeln untermauert das erschreckende Areal auf selbsterklärende Weise.

10 Kommentare:

Kessi hat gesagt…

Angesichts solcher Mahnmale sollte Frieden eigentlich nicht schwer sein...

Hexe hat gesagt…

Ich hatte in den 80er Jahren mehrfach Gelegenheit die DDR zu besuchen und fuhr dann immer auf der Autobahn über die Grenze. Es war immer wieder gleich schockierend. So unwirklich und unheimlich hat bisher nocht nicht viel Anderes auf mcih gewirkt. Gut dass das vorbei ist.

Michaela Schuemichel hat gesagt…

Genauso wenig bekannt, aber nicht weniger beklemmend ist "little-Berlin" Mödlareuth. http://www.moedlareuth.de/?id=2

Wir waren dort vor ca. 13 Jahren, zusammen mit meiner Schwägern, die damals noch in Thüringen wohnte. Selbst hatte sie diesen Ort noch nie gesehen, da es den DDR-Bürgern verboten war, näher als 5 Kilometer zur Grenze zu reisen.

Ich werde nie vergessen, wie entsetzt ich war, als ich in dem Todesstreifen stand und die Wachtürme und Panzersperren sah. Mit welch menschenverachtender Ideologie eine Grenze zu den Familien auf der anderen Seite des Baches errichtet wurde - und sowohl tätlich als auch in den Köpfen verteidigt wurde...

Ein sehr beklemmender Besuch!

Seb. hat gesagt…

In unserer BRD gibt es ja auch fast keine Mahnmale zu diesem Thema. Es wird doch immer nur die Nazidiktatur und der Holocaust in den Vordergrund gestellt. Da werden Millionen reingedonnert und für anderes ist dann kein Geld mehr da. Andere Mahnmale usw. kämnpfen mit der Existenz und geben den Kampf oft auf oder beginnen ihn nichtmal.

Nicht in den falschen Hals kriegen. Ich bin für Holocaustmahnmale usw. aber etwas mehr Ausgewogenheit und kein Verschweigen (ja, HeiPe, ich weiß, du sagt es immer) wäre super.

Seb. hat gesagt…

Nochwas. Ich ruf dich heute mal an HeiPe. Muß noch für die Uni eine Hausarbeit machen und hätte da ein paar Fragen.

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Kessi, Dein positives Menschenbild ehrt Dich.

Hexe, solche Erfahrungen und Empfindungen müssen immer niedergeschrieben werden. Danke im Sinne der Menschlichkeit.

Michaela, danke für den Tipp. Das wird mit Sicherheit eines meiner nächsten Reiseziele.

Seb., man muss an beide Diktaturen richtig erinnern. Die Qualität einer Demokratie erkennt man unter anderem an ihrem Umgang mit der Vergangenheit. Über das Andere sprechen wir.

Anonym hat gesagt…

Gut und informativ dokumentiert. Grenzen und die Folgen.Ich habe eine solche Gedenkstätte noch nicht besucht. Das ist eine Anregung dazu.lg Manuela

Seb. hat gesagt…

Es gibt genügend Leute in unserem Land, die ein Interesse am Ausbleiben der Vergangenheitsbewältigung und am Verschweigen haben. Leute die beteiligt waren (DDR) und Leute, in deren Politikvorhaben und Weltbild (Die Linke und andere) dies nicht passt. Ich will sagen, dass die Verharmlosung vom Kommunismus und seinen Variationen auch identitätsstiftenden Charakter hat.

Lily hat gesagt…

Interessant, dein Blog!
Ich habe die Zeit des kalten Krieges auch hautnah miterlebt und das hat auch mich als Autorin sehr beeinflusst...

vor 1½ jahren bin ich nach Berlin über Staaken gefahren und wenn ich daran denke, wie man damals immer pepeinigt und traktiert wurde, dann wollte man an solchen stellen doch wenigstens ein Mahnmal aufstellen... aber nichts war da... doch auf der anderen Seite... dann hätten wir ja schon überall Denk- und Mahnmale, denn das passierte ja doch überall!

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Seb., absolute Zusatimmung.

Sarah Sofia Ganborg, ich fordere ebenso viele Mahnmale wie für das Dritte Reich, wobei ich die Gesamtanzahl aufgrund der Mahnmalinflation niedrig halten würde.