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Samstag, 11. April 2009

"Ich bin dann mal weg..."

Nein, nicht ich. Leider nicht! Habe nur heute seit langer Zeit endlich mal wieder ein Buch zu lesen begonnen, das nichts mit Geschichte, Politik und einer anderen Geistes- oder Sozialwissenschaft zu tun hat. Die Rede ist von Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg", in welchem er seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg beschreibt. Nach Lektüre der ersten beiden Kapitel ist mein Interesse am Weiterlesen durchaus noch vorhanden und ich bin auf den Fortgang des Werkes gespannt. Zu gegebener Zeit werde ich über das Buch ausführlicher berichten. Vielleicht sogar im Rahmen einer Rezension. Oder ich fange auch mal mit der Planung einer eigenen Pilgerreise an. Interessieren täte es mich allemal...

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Buchvorstellung: H. Matthias Kepplinger - Die Mechanismen der Skandalierung

In diesem Buch des anerkannten Wissenschaftlers Hans Mathias Kepplinger werden verschiedene bundesrepublikanische Skandale der letzen Jahre betrachtet, verglichen und darüber hinaus nach Gemeinsamkeiten gesucht. Kepplinger erkennt und belegt, dass die Skandalierungen in Deutschland mehrheitlich einem feststellbaren Muster folgen, unabhängig ob der inhaltliche Sachverhalt eines Skandals würdig ist oder nicht. Einmal angestoßen treiben Medien, Politiker und teilweise sogar die Wissenschaft den vermeintlichen Skandal voran, ohne dabei auf ethische Diskurswerte und ähnliches Rücksicht zu nehmen. Sogar menschliche und institutionelle Verluste werden dabei rücksichtslos in Kauf genommen Oftmals verlässt die Auseinandersetzung den sachlichen Raum (sofern sie vorher dort Platz genommen hatte) und bewegt sich nur noch angreifend auf der persönlichen Ebene. Professor Kepplinger hat hier eine systematisch-schematische Einordnung versucht, die ihm gut gelungen ist. Und auch seinem provokativen Fazit („Was in totalitären Systemen der Schauprozess war, ist in demokratischen Gesellschaften der Skandal“) muss man zuzustimmen. Eine mittelschwer geschriebene Studie für alle, die sich nicht gerne vordenken lassen, den eigenen Verstand gebrauchen wollen und auch mal nach dem „Warum?“ fragen.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Buchvorstellung: Morton Rhue - Die Welle

Der kleine Roman „Die Welle“, welcher sich dank gegenwärtiger cineastischer Aktualität zur Zeit wieder größerer Beliebtheit erfreut, behandelt die Frage, wie leicht ein faschistoides diktatorisches Regime entstehen kann. In einer Schulklasse wird das sogenannte „Dritte Reich“ behandelt und löst (wie bei fast jedem normalen Menschen) Entsetzen und Abscheu bei den Schülern aus. Es herrscht große Unfassbarkeit darüber, wie ein derartiges totalitäres System entstehen und so viele Menschen zum Mitmachen begeistern konnte. Inspiriert durch diese Zweifel etabliert ein Lehrer verdeckt immer mehr Kennzeichen und Gepflogenheiten einer Diktatur in der Schule, was von der großen Mehrheit der Schüler begeistert aufgenommen wird. Das ganze entwickelt schließlich eine nicht vor Repressalien haltmachende Eigendynamik, die sich bis zur für alle Beteiligten erschreckenden Auflösung hinzieht. Ein interessanter auf einer wahren Begebenheit beruhender Fall, der gnadenlos faschistoide Tendenzen in der Gesellschaft offenbart und zeigt, dass insbesondere diejenigen für eine solche Ideologie empfänglich sind, die es mit Vehemenz abstreiten. Ein stets aktuelles Buch, das jeder sich zu Gemüte führen sollte, der Sympathien mit extremistischen Parteien hat, unabhängig ob rechte NPD oder linke SED-PDS-Linkspartei.

Dienstag, 30. September 2008

Buchvorstellung: Peter Mayle - Hotel Pastis

Dieses Buch ist wie eine Reise in den mediterranen Raum. Man beginnt zu lesen und steigt immer tiefer in eine Welt ein, die nach Lavendel, Zitronenbäumen und Gewürzen duftet. So findet man sich rasch in angenehmer Herbstsonne unter alten knorrigen Olivenbäumen wieder, während der Wind langsam über die Felder zieht und die Ähren zum rhythmischen Tanzen einlädt. Als Leser erliegt man unweigerlich dem Wunsch, die Augen einfach zu schließen und die literarische mediterrane Atmosphäre träumend auf sich wirken zu lassen, während die Gedanken in südliche Ferne abschweifen. Die Geschichte ist die klassische Aussteigerstory eines gestressten Managers, der ein neues Leben jenseits der Akten und des Stresses in der Provence beginnt. So prallen zwei Welten - die der farblosen Hektik und die der ausgleichenden südlichen Ruhe - aufeinander, während Erstere nach und nach an Kontur verliert und Letztere sich zu konkreten Formen und Farben manifestiert. Ein wunderschönes entspannendes Buch, das zum Träumen einlädt, Herz und Verstand zärtlich berührt und versteckte Sehnsüchte eines jeden Menschen weckt. Wie jedes Buch des in der Provence lebenden britischen Schriftstellers Peter Mayle ist es ein kurzweiliger warmer Sommertraum, der trotz der 462 Seiten leider viel zu schnell zu Ende geht…

Buchvorstellung: Arne Hoffmann - Der Fall Eva Herman

Im vorliegenden Buch beschreibt der liberale Medienwissenschaftler Arne Hoffmann M.A. auf kritische Art und Weise den Skandal, den verschiedene Medien als Reaktion auf Veröffentlichungen und öffentliche Äußerungen von Eva Herman gestartet haben. Jeder einzelne Schritt der Skandalierung wird genaustens untersucht, mit nachprüfbaren Daten belegt und durch Zitation von weiterführender Literatur ergänzt. Parallel werden am Rande andere ähnliche Fälle zu Rate gezogen und verglichen. Eine äußerst kurzweilige gesellschaftskritische Medienanalyse anhand eines aktuelleren Beispiels, welche durch sauberes analytisches Arbeiten besticht, sich nicht der herrschenden Meinung unterwirft, sondern letztere in die Analyse mit einbezieht. Eine empfehlens- und lesenswerte kleine Studie, anspruchsvoll geschrieben und fast komplett auf Boulevadniveau und Effekthascherei verzichtend. Leider ein in der litararischen Welt nicht weit verbreitet und wenig beachtetes Werk, welches bisher fast nur in Fachkreisen geschätzt und ernst zu nehmend diskutiert wird.