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Montag, 29. Juni 2009

Politischer Kulturbesuch in Berlin - Ein bebilderter Bericht

Nun kommt der angekündigte Bericht über unsere mehrtätige politische Kulturreise nach Berlin, zu der wir von Staatsminister a. D. Bernd Schmidbauer MdB eingeladen wurden. Dabei ist nicht verwunderlich, dass viele Termine und Tagesordnungspunkte auf dem Programm standen und für privaten Freiraum und ähnliches wenig Zeit war. Über einige dieser Programmpunkte möchte ich hier ein wenig schreiben…

Bereits am Tag der Ankunft stand Besichtigung des und Informationsgespräch im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) auf dem Programm. Eben jene „Behörde“, die es laut Aussage einiger „Ostalgiker“ überhaut nicht gegeben habe. Eine ältere und sehr fachkundige Dame berichtete über die Arbeitsweise der ehemaligen Stasizentrale in der Normannenstraße, die mittlerweile zu einer informativen und mahnenden Gedenkstätte umfunktioniert wurde, Besonders schockierend war die große Anzahl der hauptamtlichen und noch mehr der nebenamtlichen inoffiziellen (IMs) Mitarbeiter des Stasichefs und Ministers Erich Mielke.

Trotz der längeren Anreise und dem ausgiebigen Informationsbesuch im MfS brachen wir am Abend noch zu einem ausgiebigen Spaziergang quer durch Berlin auf, um wenigstens kurz das optische und kulturelle Flair der Stadt zu spüren. Dabei waren das Brandenburger Tor, der Reichstag, das Kanzleramt, die Straße „Unter den Linden“, der Alexanderplatz, das rote (rosane?) Rathaus und die Kulturmeile der Oranienburger Straße unsere Anlaufpunkte.

Der nächste Tag startete mit einem Informationsfahrt durch Berlin und der Besichtigung bestimmter zeitgeschichtlicher Plätze, allen voran der CheckPoint Charly und die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße.

Mittags fand ein Essen in der Landesvertretung von Baden-Württemberg statt, dem sich weitere Gespräche und ähnliches anschlossen. Zur selben Zeit weilte auch Ministerpräsident Oettinger in der Landesvertretung und schaute auch zu einem kurzen Gespräch vorbei, in welchem wir ihn überreden konnten, mit uns das „Badener Lied“ zu singen – und das als Schwabe. Das Beste daran ist, dass über diesen fast märchenhaft anmutenden Sachverhalt eine „rein zufällig“ entstandene Videoaufzeichnung existiert.

Der nachmittägliche Termin war der Besuch des Deutschen Doms am Gendarmenmarkt und der darin befindenden Ausstellung „Wege – Irrwege – Umwege“. Unter der fachkundigen Begleitung eines Historikerkollegen tauchten wir in den Anfang des 20. Jahrhunderts und die wirklichen Irrungen und Wirrungen der parlamentarischen Demokratie ein und beschäftigten uns mit bestimmten Gegebenheiten der Weimarer Republik und des Dritten Reiches.

Nach einem nahezu freien Abend, auf den wir einen privaten Verwandtschaftsbesuch gelegt hatten, stand am nächsten Morgen der Besuch der „Stauffenberg-Gedenkstätte“ im Bendlerblock auf dem Programm, dem sich ein längeres Informationsgespräch im Verteidigungsministerium anschloss. Leider war es im Verteidigungsministerium untersagt zu fotografieren, worauf mich unser Gesprächspartner, ein höherer Presseoffizier, dezent aufmerksam machte. Somit konnte ich nur den Flecktarnbär am Eingang festhalten…

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Im Anschluss an den wehrpolitischen Tagesordnungspunkt bestand kurz Gelegenheit zum Besuch des Kurfürstendamms und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, bevor es dann wieder Richtung Regierungsviertel ging, wo ein Bediensteter des Reichtages auf uns wartete.

Im Reichstag angekommen nahmen wir uns das Recht heraus, der Politik im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach zu steigen und den oberen Teil des altehrwürdigen Reichstagsgebäudes inklusive Kuppel zu besichtigen und die wunderbare Aussicht über die ganze Stadt zu genießen. Anschließend begutachteten wir noch den Plenarsaal und lauschten einem interessanten Vortrag über die Arbeitsweise des Bundestages und die Geschichte des Reichstages.

Am Abend stand eine Besichtigung des Holocaustmahnmahls auf dem Programm. Ein großer Platz im Süden des Brandenburger Tores, auf dem verschieden hohe Stehlen eng aneinander angebracht sind, zwischen denen man durchgehen kann. Meiner Meinung nach durchaus sehenswert, aber bei Weitem zu teuer für ein Mahnmal. Hier hätte man das Geld sinnvoller investieren und eventuell Lehrstühle für Vergangenheitsbewältigung, entsprechende Publikationen oder Einrichtungen für jüdische Geschichte schaffen können.

Der nächste Tag stand wieder ganz im Zeichen der zweiten Deutschen Diktatur, namentlich der DDR. Eine „Epoche“ über die leider ein beschönigtes und von perverser Ostalgie verklärtes Bild in der Bevölkerung vorherrscht. Ein Bild das schockierende Wahrheiten und Wirklichkeiten in Presse, Wissenschaft und Publizistik weitgehend ausklammert… Wir besichtigten das Gefängnis der Staatssicherheit (Stasi) in Berlin-Hohenschönhausen und hatten dort eine Führung und ein Gespräch mit einem ehemaligen Häftling, der als 18-jähriger die DDR verlassen wollte und wegen „Verdachts auf versuchte Republikflucht“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Folter und Psychoterror waren dort an der Tagesordnung und menschenunwürdigen Bedingungen, sowie die streckenweise noch vorhandenen Foltergerätschaften (die bis 1990 noch in Betrieb waren) lösten in uns großes Unbehagen aus. Parallel entstand eine große Wut über die beschriebene verklärende Ostalgie und die Verharmlosung des Unrechtsstaates DDR, mit der ehemalige Häftlinge wie unser Gesprächspartner de facto noch immer gefoltert werden.

Mit diesem Programmpunkt endete der interessante Besuch der Hauptstadt und ich hoffe ich konnte hier einen kleinen Eindruck über eine große Anzahl verschiedener Eindrücke vermitteln. Vieles haben wir mitgenommen und unser besonderer Dank gilt unserem Gastgeber Staatsminister a.D. Bernd Schmidbauer.

Eines haben wir uns fest vorgenommen, nämlich privat einmal wieder zu kommen und an das Erlebte anzuknüpfen.

Sonntag, 21. Juni 2009

Eure Bücher - Nun seid Ihr gefragt!

Heute möchte ich meine Leser nicht mit Informationen und Stellungnahmen überhäufen, sondern Informationen erhalten. Ich möchte wissen, welche Bücher Euch nachhaltig beeindruckt haben und was Euch daran so beeindruckt hat. Jeder der Lust hat, kann hier Bücher empfehlen, die er für absolut lesenswert und "unverzichtbar" hält. Ich freue mich in diesem Sinne auf viele Anregungen und viele interessante Informationen...

Samstag, 20. Juni 2009

"Ich kann Kanzler" - Vielleicht die Umkehr des Niveautiefstands bei den Casting-Shows?

„Ich kann Kanzler“ – das war der Name der gestern zu Ende gegangenen Casting-Show des ZDF, in der junge Menschen um den Titel des größten deutschen Nachwuchspolittalents kämpften. Ein Wettbewerb wie die zahlreichen „Gemanys-Next-Irgendwas“-Sendungen, die sich mittlerweile an Peinlichkeit und geistigem Tiefstand zu unter- oder zu überbieten versuchen.

Doch diese Show war anders. Dieses Mal stand das im Mittelpunkt, was in unserer modernistischen Gesellschaft der Postachtundsechziger als uncool gilt, nämlich Bildung, Engagement und politisches Interesse. Und eben dieses Andere hat auch mich dazu bewogen, diese Sendung zu verfolgen.

Zugegeben, der Gewinner Jacob Schrot war mit seinen 18 Jahren schon von Anfang an mein Favorit. Ich habe selten einen so gebildeten jungen Menschen mit so hehren Interessen und solch ungebrochener Motivation erlebt. Diese vorbildliche Haltung hat mich von Anfang an beeindruckt und in mir tiefe Wünsche für eine bessere junge Gesellschaft geweckt. Diesem positiven Ausnahmejugendlichen zuzuhören war Genuss und Freude zugleich…

Auch die anderen Kandidaten hatten gute Ansätze. Da war unter anderem der junge Bayer, der sich für eine rigorose Steuerreform ausgesprochen und dafür die Theorie der Bierdeckelsteuer von Friedrich Merz aufgegriffen hatte. Oder die junge Türkin, die sich explizit für weitreichendere Integrationsmodelle einsetzen möchte. Auch interessant war das Familienzukunftsmodell einer jungen vierfachen Mutter, die insbesondere eine sozial-emotionale Komponente in die Politik einführen wollte…

Doch auch Enttäuschendes hatte die gestrige Sendung zu bieten. Allem voran ein in hohem Maße unprofessioneller Moderator, der mit der Fernsehshow und der Technik derart überfordert war, dass es beinahe komödiantisch anmutete. Oder der zweitplatzierte Kandidat, der mit versifftem Hemd und „Autonomenschal“ zwar immer nett in die Kamera lächelte, aber außer effektheischenden naiven Floskeln und unbegründeten Mutmaßungen nicht allzu viel zu bieten hatte und wahrscheinlich sowieso nur wegen seiner „Unangepasstheit“ (Zitat des Jurymitglieds Günther Jauch) überhaupt so weit gekommen war.

Nichts desto trotz war diese Sendung ein Gewinn für die deutsche Fernsehlandschaft, die in der Regel nicht gerade ein hohes geistiges Niveau ziert, insbesondere im Jugendbereich. Eine mediale Niveauinspiration für die Zukunft, die insbesondere jungen Menschen zeigt, dass es auch anders geht und dass Anstand, Niveau, Bildung und Engagement keine uncoolen Worthülsen sind, die dem Lieblingshobby „Chillen“ im Wege stehen.