Politischer Wahlkampf ist per se keine Zeit der hochgehaltenen Höflichkeit. Jedoch existiert in der BRD ein ungeschriebener Konsens darüber, dass man in plakatierten Werbekampagnen keine andere Partei diffamiert und auch keine Wähler anderer Parteien herabsetzt. Verständlich, denn eine derartige Praxis wäre nicht nur unanständig, sondern würde die politische Kultur und das diskursive Niveau in die Richtung vergangener Zeiten (Reichspropagandaminister Goebbles!!) bewegen, die wir zum Glück lange hinter uns haben.Dieser ungeschriebene Konsens des plakativen Anstandes wird nun von der SPD aufgekündigt und man bedient sich ohne Umschweife einer negativen Kampagne gegen eine andere Partei, diffamiert deren Wähler und streift sogar auf beleidigende Weise die Ehre eines Berufstandes im Finanzsektor.


Betrachtet man das Political Campaigning der demokratischen Parteien in der BRD in den letzten Jahren, so fallen nicht unerhebliche Niveauunterschiede zwischen diesen auf. Insbesondere merkt man, dass gerade die Kampagnen der SPD öfters gewisse Niveau- und Anstandsgrenzen unterschreiten und direktere populistischere Angriffe häufiger vorkommen als bei CDU, CSU, FDP und Grünen.Als Begründung findet man in der Literatur unter anderem die Theorie, dass derartige Kampagnen auf das mehrheitliche Wählerklientel der SPD als Werbezielgruppe zugeschnitten sind. Sozusagen auf die etwas einfacher gestrickten Wähler, die man mit reißerischen Bildern, demagogisch-populistischen Parolen und Diffamierungen auf Boulevardniveau beeindrucken kann.
Was man dabei aber vergißt, ist das durch solche Kampagnen die ohnehin schon weniger gewordenen intellektuellen Wähler der SPD vollends abhanden gehen können. Vielleicht ist das aber auch einkalkuliert. Back to the roots, SPD?
8 Kommentare:
oh ich fahre jeden Tag auf dem Weg zum Büro per Rad an diesen Plakaten vorbei und muss deine Worte dreifach unterstreichen...in WAS für einer Zeit leben wir ??? wie tief soll das Niveau noch sacken ???
herzliche Grüße von Kathrin
Und wieder kann man den dicken Altkanzler zitieren:
"Soz bleibt eben Soz, auch wenn er mit Frack und Zylinder ins Bett geht"
Da hatte er sogar mal recht. Mehr muss man nicht sagen!!!!!!!!!
Da hast Du recht, Kathrin, aber es ist leider erst der Anfang von Niedergang des sowieso nur rudimentär vorhandenen Anstands.
Es gibt Ausnahmen, Seb., aber oftmals könnte man zu dieser Annahme verleitet sein. Schade für diejenigen Involvierten, die nicht so sind, aber einflußtechnisch der Minderheit angehören...
Es dürfte eine bewußte Kampagne sein. In Zeiten von Wirtschaftskrise und der damit verbundenen steigenden Arbeitslosigkeit wird die SPD sich ihre alten Schichten sichern wollen. Auch hat die SPD in den letzten 10 Jahren durch die Koalition mit den Grünen und der sofort anschließenden großen Koalition sehr viel an Profil und damit angestammtes Wählerpotential verloren.
Klingt auch plausibel, Fusselbart, aber könnte man dieser politischen Strukturveränderung nicht "änständiger" begegnen?
Die SPD weist nirgends großartig auf ihre Kompetenzen hin. Könnte das vielleicht daran liegen, dass sie derzeit keine hat?
Das Problem der SPD sind die Struturveränderungen in der eigenen Partei. Sie ist linkslastig geworden, kann sich deshalb von den Linken schwer abgrenzen und hat einen Kanzlerkandidaten der dazu überhaupt nicht passt. Es ist wie immer, man verlagert interne Probleme nach außen und dazu braucht man ein Feindbild. Aber letztlich geht es vor allem um Wählerstimmen und das festhalten an der Macht. Auch die CDU hatte 1998 diesen Fehler gemacht. Machterhaltung um jeden Preis mit dem damaligen Kanzler als Kandidat, der im Grunde keine Basis in der Partei mehr hatte.
Nun stellt sich die Frage, ob die SPD mit einem anderen "anständigeren" Stil ebenso viele Wähler gewinnen könnte, wie mit dem proletarisch angehauchten Stil, den sie praktiziert. Besetzt die SPD nicht eine Nische, aus der sie weder nach links (PDS), noch nach rechts (CDU) Ausweichmöglichkeiten hat?
Erwartet man von einer ehemaligen Arbeiterpartei etwas anderes? Setzt man da nicht das Vorhandensein unfeinerer Methoden voraus?
Plakate ergänzt!
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