Rein zufällig erfuhr die deutsche Medien- und Forschungslandschaft nun, dass der Todesschütze von Benno Ohnesorg im Jahre 1967 ein inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi war. Wie viele andere Westdeutsche besserte auch Polizist Karl-Heinz Kurras sein "kärgliches" Einkommen durch Informationsdienste und Ähnliches auf. Dienste, die er einem verbrecherischen System leistete. Einem blutbefleckten Staat, der unzählige Opfer zu verzeichnen hat.
Das Seltsame daran ist aber, dass diese Akte in zwanzig wiedervereinigten Jahren nicht entdeckt wurde, obwohl sie weder vernichtet noch unkenntlich gemacht und für jeden auffindbar gewesen wäre – zumindest theoretisch. Seltsam? Nicht wirklich!
Begutachtet man die Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), so fällt auf, dass es bisher keine richtige Aufarbeitung gegeben hat. Zwar gibt es vorbildliche Bemühungen, wie beispielsweise das Buch meines Freundes Dr. Christian Jung (Geschichte der Verlierer), doch leider stellen derart kritisch und wissenschaftlich analysierte Werke die Ausnahme dar.
Leider wird – wie ich schon öfters in diesem Blog schrieb – die Geschichte der DDR in der Forschung und in den Medien ausgeklammert und im schlimmsten Fall in einer perversen Ostalgie glorifiziert und zum Kult erhoben. So werden nicht nur die zahlreichen Opfer und Leidenden der zweiten deutschen Diktatur verhöhnt oder im Todesfall gar entehrt, sondern es wird eine politische Ideologie systematisch (sic!) verharmlost und erfolgreich in das gesellschaftlichen Akzeptanzbild integriert. Eine Tendenz, die sich linke Gruppierungen oder linksextremistische Parteien zu Nutze machen – sogar durchaus erfolgreich zu Nutze machen, wie manches Wahlergebnis der SED-PDS-Linkspartei in den letzten Jahren und Monaten bestens bestätigte.
Während es über alle erdenklichen Aspekte des Dritten Reiches eine Unmenge an guter Literatur gibt und beinahe stündlich immer mehr Werke (meistens leider nur Wiederholungen) über diese Thematik in den Büchermarkt drängen, kann man ernst zu nehmende Werke über die DDR beinahe an einer Hand abzählen. Weder Geld, noch publizistischer Platz noch Gedenk- oder Aufarbeitungsetats werden in angemessenem und würdigem Umfang bereit gestellt. Und da die erwähnte Verharmlosung die Informationsnachfrage gering hält und auch Wissenschaft, Forschung und Publizistik „ökonomisch“ ausgerichtet sind, muss sich das Angebot leider an der geringen (gesteuerten?!) Nachfrage orientieren.
So wird man mangels Aufarbeitung mit Sicherheit noch das eine oder andere Geheimnis der DDR in kurzen Schlagzeilen lesen können. Leider wird – Kontinuität des status quo zu Grunde gelegt – jede „Enthüllung“ nur eine kleine des Brennens unfähige Flamme im gewollten Dunkel sein.
Und der des Denkens mächtige Mensch wird schnell merken, dass Politik die Geschichtsschreibung (die „darstellende“ Geschichte) immer ad absurdum führt und deswegen bei Letzterer eigentlich wenig bis überhaupt nichts verloren hat. Eigentlich!
7 Kommentare:
da ahst du wieder ein brennendes Thema angepackt...der Osten hat doch auch der RAF geholfen, vielleicht würden Ponto, Buback usw nicht ermordet worden sein, wenn es den Mord an Benno Ohnesorg NICHT gegeben hätte, dass die RAF so agressiv wurde, passierte doch erst dadurch, Ulrike Meinhof war doch eine Frau mit friedlichen Zielen, die haben doch gewaltig an dem Aufruhr mitgemischt , möchte NICHT wissen, oder DOCH, WER alles da noch eine Stasi Vergangenheit hat.....
es macht mich wütend und wir sind soooo machtlos.
Ich kann mich an die Zeit gut erinnern (bin Jg 57) und die 70er....
hab einen friedlichen tag, herzlich Kathrin
Kathrin, danke für Deinen Kommentar. Ich denke, die Radikalisierung der RAF wäre trotzdem eingetreten, nur eventuell anders verlaufen. Doch das sind Spekulationen. Ob eine Person weniger ermordet worden wäre, das wage ich zu bezweifeln.
Der wichtigste Kritikpunkt ist meines Erachtens die mangelnde Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Das ist ein bundesrepublikanisch-gesellschaftliches Problem.
Du alter Weltverbesserer hast natürlich recht, HeiPe................apropos............weisst Du noch, wieviele Lehrveranstaltungen in der Uni in Geschichte zur DDR angeboten wurden? Ich kann mich nur an eine erinnern.............und seit Du magistriert hast war auch nichts mehr zu diesem Thema. Obs in der Ossikei mehr ist?
Klärung schafft nur die Frage nach dem INTERESSE. Das INTERESSE an der Geschichtsschreibung zur Hitlerzeit ist logischerweise größer als das an der Geschichtsschreibung zur DDR. Es ist legitimatorisches INTERESSE und damit wird Politik gemacht. Ungleich komplexer und weiter reichend als sie ausführen. Von einer Gegenwärtigkeit der Hitlerzeit haben viele >>Gruppen<< etwas. Wer und was können sie sich erdenken, das tun sie ja so gern. Gruß.
Seb., ich kan mich auch nur an die eine Veranstaltung erinnern...und die war nicht mal gut.
Anonym, ein diskussionswürdiger Impuls, der aber zu viel Gedankenspielraum lässt.
wir Deutschen konnten die Geschichte der Nazizeit nicht aufarbeiten, warum soll das bei der DDR-Geschichte anders sein???
In beiden Zeiten sind die Menschen geblieben, und die Meisten konnten, können und wollen nicht in den vorgehaltenen Spiegel schauen!!
Fusselbart, ein Aufarbeiten im Sinne von Schlußstrich ist meines Erachtens definitiv abzulehnen. Würde auch keinen Sinn ergeben. Ein
Aufarbeiten im Sinne von Erforschen halte ich (und nicht nur weil ich "Geschichtler" bin) für bitter nötig. In diesem Sinne wird das Dritte Reich sehr gut aufgearbeitet, die DDR aber leider weitgehend ausgeklammert.
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