Dienstag, 19. Mai 2009

Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" - Eine kleine Rezension

Ich muss zugeben, ich lese oft mehrere Bücher gleichzeitig und lasse auch gerne mal ein Werk dann wieder eine längere Zeit unangetastet liegen. So auch die "Pilgerschrift" des bekannten Entertainers, für die ich mir mit fast sechs Wochen unverhältnismäßig lange Zeit gelassen habe. Nun ist es ausgelesen und ich werde hier meine Eindrücke zu teilen versuchen.

Nun ja, mit welcher Erwartung geht man an das Buch eines Komikers? Ehrlich gesagt hatte ich keine besonderen Erwartungen, außer netter kurzweiliger und spaßiger Unterhaltung. Diese Erwartungen wurden erfüllt – doch irgendwie ist dieses Buch auch ein Wenig mehr. Und dieses "Mehr" muss man versuchen zu Greifen und Festzuhalten.

Der Leser hat die Möglichkeit, den Jakobsweg von Südfrankreich bis Westspanien gemeinsam mit Hape Kerkeling zu wandern, gemeinsam das Auf und Ab dieses Weges zu erleben und gemeinsam das Auf und Ab der Stimmung oder gar des Gesamtlebens zu spüren. Das Besondere dabei ist, dass nahezu jeder Mensch sich mit dem Erzähler identifizieren und sich in den verschiedenen Situationen schnell wieder erkennen kann. Gemeinsam durchwandert man die sommerlichen Gefilde Nordspaniens, lernt die verschiedenartigsten, teilweise exotischen Menschen kennen und knüpft gemeinsam mit Kerkeling enge und tiefe Freundschaften – zumindest auf literarischer Ebene.

Bei der Lektüre erfährt der Leser auch die eine oder andere Anekdote aus dem Leben des Autors, sowie dessen unerwartet tiefgreifende Gedanken und Überlegungen zu Religion, Philosophie, Gesellschafts-, Natur- und Geisteswissenschaften. Das hat oftmals zur Folge, dass das Buch beiseite gelegt wird, die eigenen Gedanken sich verflüchtigen und man als Leser ebenfalls über Tiefgreifendes zu philosophieren beginnt, was einen netten Nebeneffekt darstellt.

Insgesamt ein nettes kleines Buch, das zu unterhalten und streckenweise sogar zu fesseln vermag. Kurzweilige „Reiseliteratur“, angehaucht mit einem Funken Gesellschaftskritik und gewürzt mit einer gehörigen Portion emotionaler Ich-Findung. Eine angenehm empfehlenswerte kleine Sommerlektüre für Zwischendurch.

6 Kommentare:

Frau Rossi hat gesagt…

Ich habe das Buch vor ca. zwei Jahren gelesen. Aber nur weil ich damals Literatur zum Jakobsweg verschlungen habe (den ich irgendwann noch gehen werde). Es ist keine große Literatur. Streckenweise unterhaltsam und bissig, aber über weite Teile recht träge. Es war nicht übel, aber umgehauen hat es mich nicht.

Dann lieber Coelho!

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Eben, ein kleines meist unanspruchsvolles Werk für zwischendurch.

Träge fand ich es nicht, aber ich hätte mir noch einiges mehr an Informationen gewünscht. Und die Photos, die hätte er sich schenken können.

Fusselbart hat gesagt…

Eine ganz neue Erfahrung war für mich das Werk als Hörbuch,vom Autor gelesen, wahrzunehmen. Das Ganze bekommt dann noch eine andere Perspektive. Sicherlich nicht die große Literatur, aber oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die einem große Freude bereiten.

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Ich mag Hörbücher auch gerne und höre mir oft vor dem Schlafengehen mit dem MP3-Player das ein oder andere Kapitel eines Klassikers an.

Nochmal zu Kerkelings Buch: Es ist lesenswert und vermag zu unterhalten.

...und was ist große Literatur? Welche Merkmale gibt es da? Ich habe die Meinung, dass Literatur gefallen muss, unabhängig vom Anspruch und vom Inhalt. Und so finden sich in meiner "Bibliothek" Werke der ganz Großen und auch Werke der Schund- oder Trivialliteratur. ;-)

Kessi hat gesagt…

Schön zusammengefasst und ich bin wirklich neugierig auf die Lektüre! Ich werde Dir berichten, wie ich es fand, sobald ich es geschafft habe, mal anzufangen mit lesen =). Derzeit immer noch Studienliteratur hier in Bergen...., helft mir abtragen, lach.... naja, ich werde es hoffe ich bald schaffen, freu mich echt drauf. Danke!

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Es wird Dir sicher gefallen, Kessi! :-)