Montag, 1. Juni 2009

Der Anfang vom Ende des Mythos über die 68er - Ein dogmatisches Kartenhaus zerfällt

Die 68er-Bewegung nahm die Legitimation für Ihre Gewalttaten in erster Linie aus einem scheinbar legitimen Kampf gegen das angeblich auf Polizeigewalt ruhende autoritäre System der Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere nachdem am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen wurde, schien der Beweis für den verbrecherischen Polizeistaat der BRD erbracht und die Protagonisten der 68er richteten Ihre Ideologie auf den Kampf gegen ein angeblich illegales System aus. Vom „ersten politischen Mord der Bundesrepublik“ (Günther Grass) wurde gesprochen und es wurde zur Selbstverständlichkeit hochstilisiert, sich gegen diesen „Faschistenstaat“ (O-Ton 68er) zu wehren. Man predigte die Abscheu vor der Gewalt und übte selbige jedoch ständig aus, egal ob im kleinen Rahmen mit Straßenschlachten, Hausbesetzungen und Sachbeschädigungen (diverse 68er-Bewegungen) oder im großen Rahmen mit Sprengstoffanschlägen, Entführungen und Morden (die aus den 68ern entstandene RAF).

Laut damaligen Augenzeugen erinnerte das allgemeine Bild von wütenden, besetzenden, pöbelnden und randalierenden „Langhaarigen“ mehr als deutlich an die Verwüstungen der braunen SA-Horden in den 30er-Jahren. Ein Paradoxon der jüngsten Geschichte, das noch heute von manch damaligem Sympathisanten, der im Marsch durch die Institutionen eine gehobene bis hohe Stelle in Gesellschaft, Industrie und Politik einnehmen konnte, offiziell verteidigt wird. Besagte Alt-68er in „Machtpositionen“ waren bisher vehement bemüht, ein verzerrtes Bild der damaligen Zeit in der öffentlichen Meinung aufrecht zu halten, sozusagen ein inhaltliches Positiv-Dogma über die 68er-Bewegung, besonders über ihre Motive und ihre Handlungen.

Doch kein Dogma ist für die Ewigkeit und so beginnt derweil das besagte künstliche Geschichtsbild in sich zusammen zu fallen. Den Anfang als Impuls machte das Bekanntwerden der Stasi-Vergangenheit von Karl-Heinz Kurras, des Todesschützen von Benno Ohnesorg. Der Mensch, der beispielhaft das Feindbild der 68er symbolisierte war in Wirklichkeit einer ihrer Gesinnungsgenossen, ein Diener des von der Mehrheit der 68er hochgelobten Systems „DDR“, der im Auftrag linker Ideolog(i)en handelte.

Viele Protagonisten der damaligen Zeit müssen nun zusehen, wie ihr auf Lügen basierendes Kartenhaus des „Kampfes für eine gute Sache“ in sich zusammenfällt. Und die überaus zahlreichen Mitläufer müssen nun beschämt feststellen, was sie mit ihrer Hetzerei, ihren verschörungstheoretischen Pamphleten und ihren Agitationen angerichtet haben, als Werkzeuge einer auf Gesellschaftsveränderung ausgerichteten Ideologie, unter der wir heute noch zu leiden haben. Und es waren nicht nur einzelne verwirrte Existenzen, es „waren auch namhafte Geister mit großer Gefolgschaft, die von ihren Schreibtischen aus, ohne Fakten, aber voller Wut, Gift unter die Menschen streuten“, wie der Journalist Helmut Markwort treffend schreibt.

Die Vergangenheit kann nicht mehr verändert werden, aber ein falsches Bild in der herrschenden Meinung kann korrigiert werden – mit belegbaren Fakten als Mittel und Aufrichtigkeit als ethischem Codex.

Wie geschrieben, das dogmatische Kartenhaus eines geschönten Bildes über die 68er zerfällt langsam. Und das Gute ist, es ist erst der Anfang dieser neuen Aufklärung.

8 Kommentare:

Seb. hat gesagt…

Schon geil irgendwie! Du musst Dich ja wieder mal wie ein Wahrsager fühlen, dessen Prophezeiungen gerade eintreten!!! Alter, die Welt ist mit Dir!!!

Kessi hat gesagt…

HP, Du solltest in die Politik gehen =), aber ganz nach oben!

Unknown hat gesagt…

ich sehe das ganze sehr kritisch, die RAF zB war nicht von Anbeginn so brutal und terroristisch, da haben schon gewisse Ostidiologien derbe Einfluss genommen, so richtig schlimm wurde es mit der Zeit und mit der Hetzerei, sprich Aufhetzerei,ich will da nichts beschönigen und schon garnicht in Schutz nehmen, nur was übel war, die Presse (freiheit) Medien , Aufklärung durch Medien usw wie heute, gab es damals längst nicht so, wie heute.
Ich war in den 70ern noch in Ausbildung (Fachstudium) zur Landesbeamtin, ei das waren Zeiten, keinerlei Vergleich zu heute, schon garnicht als Frau...
gut ist, dass heute so vieles aufgeklärt wird, endlich kann man sagen und gut ist, dass wir heute viel viel mehr Informationen bekommen. Schlecht ist, das zu viele Bürger/Innen, kein Interesse an Information haben und anstatt seriöser Zeitungen die Schlagzeilen der Großgedruckten, du weisst schon was ich meine ;-) reinziehen oder garnichts, das Niveau , das Desinteresse, macht mir Angst, Idiologien dürfen unterschiedlich sein (ist ja das herrliche einer Demokratie), aber Wissen sollte das Fundament einer Meinung sein und nicht "wer am lautesten schreit, hat recht" du weisst was ich meine...
Mitläufer sind gefährlich...

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Seb, quod erat demonstrandum.

Kessi, nein...das sollte ich nicht. Da kann ich nicht so frei und "unzensiert" schreiben.

Kathrin, mag sein, dass die Anfänge der 68er und der RAF harmlos waren. Die meisten "Apparate" fangen harmlos an. Ja, ich glaube Dir gerne, dass die Zeiten damals ein wenig anders waren und sich viel in der Gesellschaft geändert hat. Diese Veränderung reklamieren ja auch diverse 68er-Kreise für sich. Diese Veränderung trat aber auch in mit der BRD vergleichbaren Staaten ein, die keine 68er oder vergleibare Bewegung hatten. Ich will nicht verleugnen, dass manche Impulse von den 68ern nahestehenden Pragmatikern begünstigt wurden, aber von den heute bekannten "Revolutionären" kam da bis auf Randale relativ wenig. Man darf auch nicht dem Zeitgeist geschuldete gesellschaftliche Veränderungen einer Bewegung anrechnen, die in diesen Politikfeldern nicht aktiv war. Betrachtet man die Mehrheit der radikalliberalen Forderungen der 68er, so kann man froh sein, dass diese nicht verwirklicht wurden, denn sonst hätten wir ein diktatorische Anarchie. ;-)

Anonym hat gesagt…

Der Geschichtslauf wird die Achtundsechziger richten.

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Anonym, das macht er bereits.

Seb. hat gesagt…

Das sorgt ganz schön für Wind. Auch hier an der Uni häufen sich über das Thema ausgeliehenen Bücher. Vielleicht sollte ich mit meiner Abschlussarbeit auf den Zug aufspringen. Was meint der ehrwürdige HeiPe??? *fg*

Heinz-Peter Heilmann hat gesagt…

Seb., grundsätzlich halte ich es nicht für sinnvoll, über ein aktuelles Thema eine historische Abschlussarbeit (egal ob Magister, Staatsexamen oder Diplom) anzufertigen. Für diese Thematik eignet sich eine Dissertation (Doktorarbeit) oder eine Habilitation besser, allein vom Umfang und von der "Neugebiet" erforschenden Herangehensweise.