Mittwoch, 8. Oktober 2008

Steinewerfer, Schläger und Chaoten äussern als Berufswunsch "Außenminister"

Es leben die Vorbilder!
Kein weiterer Kommentar!

Alte Kader greifen wieder nach der Macht in (Gesamt-)Deutschland

Es ist wirklich schockierend, wie wenig die deutsche Bevölkerung über die zweite deutsche Diktatur und ihre Geschichte weiß. In den Schulen wird das Thema nur recht lieblos behandelt, in den öffentlichen Medien findet es fast keinen Raum, eine Vergangenheitsaufarbeitungspolitik wird aus Etatgründen weitgehend übergangen und bestimmte Gruppen in Politik, Medien und Wissenschaft üben sich gerne und gut im Verharmlosen der Geschehnisse. Die DDR wirkt zeitlich weiter entfernt als das Dritte Reich und verschwindet irgendwo in der Peripherie der Geschichte. Unterstützt wird das Ganze noch durch geschickte Etablierung einer kultigen Ostalgie, so dass Kennzeichen der DDR-Diktatur als Mo(r)de-Labels auf moderner Kleidung getragen und als cool empfunden werden.

Eine schreckliche beschämende Entwicklung, die mangelndes Wissen und die romantische Verklärung einer blutbefleckten Diktatur als Folge haben. Das bankrotte Staatsgefängnis auf deutschem Boden erlebt ein Revival und so entwickeln sich in manchen Köpfen sogar Sympathien für den repressivsten und unfreisten Staat der Moderne.

Die einstigen blutbefleckten Kerkermeister tummeln sich mit ihren weltfremden Ideologien mittlerweile unter neuem Namen wieder in den (west-)deutschen Parlamenten und im Deutschen Bundestag. Und das schlimmste daran ist, dass sie von etablierten demokratischen Parteien von ihrer üblen historischen Verantwortung quasi entbunden und hofiert werden. Mittlerweile laufen sogar Verhandlungen über eine (passive) einflussnehmende Regierungsbeteiligung in Hessen – von den besagten SED-PDS-Linken sogar als Modell für ganz Deutschland beschworen.

Man kann über diese Entwicklung in der Bundesrepublik nur den Kopf schütteln, so wie es das Ausland mehrheitlich auch tut. Eine gefährliche Entwicklung gegen Sachverstand, Menschenwürde, Opfergedenken und auch gegen die Demokratie. Eine Entwicklung, die mich als Historiker und Politikwissenschaftler schaudern lässt, eine Gänsehaut verursacht und Fassungslosigkeit hervorruft.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Ein paar Wörter zum Nachdenken über Kontrolle und Einfluß

Manchmal ist es nicht verkehrt, wenn der Weise für den Grauen gehalten wird. Denn wer alle seine Vorzüge offen präsentiert ist schnell wehr- und schutzlos.

Die Fäden hat der in der Hand, der dunkel und verdeckt hinter der Puppenwand steht und niemals die vorne tanzende Puppe, auch wenn diese es stets glauben mag.

Verhindern Feindbilder den Verbleib auf der sachlichen Ebene?

Wie niedrig muss das Niveau einer Person sein, die andere Menschen aufgrund ihrer politischen Einstellung und ihrer gesellschaftlichen Meinung komplett ablehnt, ignoriert, hasst und sogar Feindbildphantasien entwickelt? Sind diese Personen schlicht zu einfältig um die sachliche und die persönliche Ebene auseinander zu halten? Oder lässt der Hass ihrer selbst geschaffenen Feindbilder sie erblinden und die Kontrolle über das normale Denken verlieren? Ist das Denken einer solchen Person nur schwarz-weiß und zweidimensional? Warum scheuen besagte Personen die sachliche Auseinandersetzung und agieren „hintenrum“ und verdeckt wie Guerillakrieger? Warum wenden sie unredliche Methoden der Unwahrheit, der Tatsachenverdrehung und der üblen Nachrede an?

Viele Fragen – keine Antworten, empirisch erfassbar aber normativ nicht erklärbar.

Montag, 6. Oktober 2008

Das Faszinosum des Schrecklichen – des Boulevardjournalismus liebstes Kind

Nächstes Jahr feiert einer der bekanntesten deutschen Presseskandale des 20. Jahrhunderts seinen 25. Geburtstag. Die Rede ist von den „Hitler-Tagebüchern“, welche im Jahre 1984 über Wochen die Schlagzeilen beherrschten und als große Sensation gewertet wurden. Konrad Kujau hatte die Tagebücher in akribischster Kleinarbeit gefälscht und Gerd Heidemann hatte sie dem Verlag der linksliberalen Zeitschrift Stern für Millionenbeträge verkauft. Für die beiden Chefredakteure der eigentlich als seriös geltenden Zeitschrift, Felix Schmid und Peter Koch, war dies ein gefundenes Fressen, das dem Blatt eine enorme Auflagensteigerung bescheren sollte. Unterstützt wurden Sie vom Verlagschef Gerd Schulte-Hillen, mit dem nunmehr die gesamte Chefetage des Stern hinter dem journalistischem Reißer stand. In blinder Gefolgschaft trieb das gierige Publikum die „Story“ zu ungeahnten Höhen – und entsprechend tief war dann der Fall, als sich die bisher unbeteiligte Wahrheit zaghaft eingemischt hatte. Nachdem der Skandal nunmehr aufgeflogen war, bekamen Kujau und Heidemann zwar Gefängnisstrafen, die Chefredakteure dagegen verabschiedeten sich und bekamen Millionenabfindungen, und der Verlagschef blieb im Amt und machte dort und an anderer Stelle weiter Karriere.

Die beteiligten Journalisten und auch das Publikum unterlagen einem Rausch der Geschichte. Sollte der Dämon Hitler tatsächlich Tagebücher geführt haben? Müsse nun die deutsche Geschichte umgeschrieben werden? Faszination und Schrecken mischten sich auf eine sensationsgierige reißerische Art und Weise und ließen jeden entfernten Zweifel absterben. Unterstützt wurde das Ganze auch dadurch, dass renommierte Historiker, wie beispielsweise Prof. Eberhardt Jäckel, die Tagebücher als unzweifelhaft echt einstuften. Unkritisch hatte die „Droge Sensation“ alle in Ihren Bann gezogen.

Ob die bundesdeutsche Presse oder die Mehrzahl der deutschen Intellektuellen etwas aus dem Skandal gelernt haben, das wage ich zu bezweifeln. Gerne greift man nach wie vor in bestem Boulevardniveau jedes noch so kleine Skandälchen auf und klammert sich an dessen spärliche Halme. Wohl wissend in Kauf nehmend, dass besagte kleinste Hälmchen in der richtigen Nährlösung schnell Blüten treiben und zu handfesten Skandalen heranwachsen können. Menschliche und journalistische Opfer werden terroristischen Gepflogenheiten gleichkommend dann schnell in die Peripherie des Kollateralschadens verbannt, sofern die Pläne nicht aufgehen.

Doch das größte Opfer dieser Verbalanschläge ist leider auch der eigentliche Täter, nämlich das lesende (unkritische) Publikum. Ökonomischen Grundsätzen folgend spielt es dem Sensationsjournalismus und der Boulevardpresse bestens in die Hände und wartet gierig darauf, bis der nächste Hufnagel des manifestierten Beelzebub gefunden wird.

Die systematischen Mechanismen funktionieren einwandfrei und die meisten Menschen nehmen gerne ihre Rolle als Spielfiguren auf diesem eigentlich perversen Schachbrett an. Traurig, aber wahr.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Buchvorstellung: Morton Rhue - Die Welle

Der kleine Roman „Die Welle“, welcher sich dank gegenwärtiger cineastischer Aktualität zur Zeit wieder größerer Beliebtheit erfreut, behandelt die Frage, wie leicht ein faschistoides diktatorisches Regime entstehen kann. In einer Schulklasse wird das sogenannte „Dritte Reich“ behandelt und löst (wie bei fast jedem normalen Menschen) Entsetzen und Abscheu bei den Schülern aus. Es herrscht große Unfassbarkeit darüber, wie ein derartiges totalitäres System entstehen und so viele Menschen zum Mitmachen begeistern konnte. Inspiriert durch diese Zweifel etabliert ein Lehrer verdeckt immer mehr Kennzeichen und Gepflogenheiten einer Diktatur in der Schule, was von der großen Mehrheit der Schüler begeistert aufgenommen wird. Das ganze entwickelt schließlich eine nicht vor Repressalien haltmachende Eigendynamik, die sich bis zur für alle Beteiligten erschreckenden Auflösung hinzieht. Ein interessanter auf einer wahren Begebenheit beruhender Fall, der gnadenlos faschistoide Tendenzen in der Gesellschaft offenbart und zeigt, dass insbesondere diejenigen für eine solche Ideologie empfänglich sind, die es mit Vehemenz abstreiten. Ein stets aktuelles Buch, das jeder sich zu Gemüte führen sollte, der Sympathien mit extremistischen Parteien hat, unabhängig ob rechte NPD oder linke SED-PDS-Linkspartei.