Es gibt Personen, die kritisiert man nicht. Der deutsche „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki ist so einer, der sich in einer kritikresistenten Vakuumblase durch die Lebenswelt bewegt und nach allen (vom ihm selbst geschaffenen) Regeln der Kunst kräftig austeilt, aber selbst eine Aura der Immunität sein Eigen nennt.
Zugegeben, ich wollte nicht mit ihm tauschen, insbesondere nicht vor dem Hintergrund, welche Angst und welches unsagbare Leid er zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ertragen musste. Als ich seine Autobiographie vor wenigen Jahren gelesen habe, da erschütterte mich dieses menschliche Schicksal und ich empfand für sein Durchstehen in dieser dunklen Zeit großen Respekt. Diese Meinung habe ich nach wie vor und auch seine kommunistische Geheimdienstaktivität nach Kriegsende schmälern dieses Bild in keiner Weise.
Marcel Reich-Ranicki ist jedoch nicht nur das Opfer der unmenschlichen nationalsozialistischen Diktatur, sondern auch der Literaturkritiker der Nachkriegszeit. Und dieser Abschnitt seines Lebens muss gesondert begutachtet werden.
Betrachtet man seine Biographie in der Nachkriegszeit, so fällt in erster Linie auf, dass er in diesem Abschnitt seines Lebens eine Menge Glück gehabt hat. Er kannte die richtigen Leute in den richtigen Positionen und hatte auch im Kreise der intellektuellen Schriftsteller einige Förderer, die sich seiner angenommen haben. Da sich auch wissenschaftliche Entscheidungsträger in dieser Riege einreiten, konnte der Mann ohne Universitäts- und Berufsabschluss sich auch im Verlauf der Jahre einiger Ehrendoktor- und Ehrenprofessorentitel erfreuen. Und da Preise und Ehrentitel sich gerne gegenseitig anziehen, kam noch das eine oder andere „Pokälchen“ im Laufe der Jahre hinzu…
Schaut man sich aber seinen Stil etwas näher an, so fällt insbesondere seine gnadenlose anmaßende Arroganz auf. Er maßt sich an, den Menschen vorzuschreiben, was sie zu lesen haben und entscheidet gerne mal was gute und schlechte Literatur ist. Gewiss ist dies seine Aufgabe als Literaturkritiker, doch sein Stil des Kritisierens ist dermaßen intolerant, dass nicht selten vernichtende Urteile herauskommen und Meinungen anderer angesehener Kritiker von ihm als unsinnig und schlecht gebrandmarkt werden. Er nimmt sich heraus, die einzige richtige Meinung zu vertreten (woran man deutlich merkt, dass er nie durch eine wissenschaftliche Schule gegangen ist) und so quasi allein als Überwesen der Literatur zwischen gut und schlecht entscheiden zu können. Gerne bedient er sich dabei vulgärer beleidigender Sprache, derben Pauschalverurteilungen, flegelhafter persönlicher Herabsetzungen und anderer diskursiver Schlechtigkeiten.
Aber das schlimmste daran ist, dass die veröffentlichte Meinung wie ein Schutzschild hinter ihm steht, ihn vor jeder Art der Kritik in Schutz nimmt und sich dies dann auch auf die unkritischen Medienfiguren, Moderatoren, Laudatoren und Kommentatoren überträgt, die ihn bis in die höchsten Ebenen hofieren. Es wird dadurch etwas geduldet, das bei anderen Personen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Ende der Karriere oder andere Repressalien bedeuten würde. Doch wer hier kritisiert, der zieht geballte Ladungen von Medien, selbsternannten Tugendrichtern und anderen Institutionen auf sich und wird schnell - des Eigenschutzes wegen - schweigen.
Solange solche von den Medien (und anderen ) geschaffene Kultfiguren weiterhin Narrenfreiheit genießen, so lange müssen wir uns auch ihre Flegeleien im Fernsehen ansehen, wie Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises wieder bestens bewiesen hat. Er erlaubt sich Flegeleien und das im Rampenlicht stehende Publikum applaudiert und spendet stehende Ovationen.
Zwar kritisiert er zu Recht das niedrige Niveau der Medien- und TV-Landschaft. Paradox daran ist aber, dass er durch seinen Stil sich auch nicht auf niveauvollerem Boden bewegt als so manche nachmittägliche TV-Talkshow, auch wenn die Materie, mit der er sich beschäftigt von höherem Niveau ist. Seine Art und sein Stil sind es jedenfalls nicht, sofern man normale diskursive Maßstäbe anlegt. Und aus diesem Grund sollte er die Steine aus der Hand legen und sein Glashaus freiwillig verlassen, denn sich mit niveauvoller „Materie“ abzugeben bedeutet noch lange nicht selbst Niveau zu haben. Reich-Ranicki liefert den Beweis immer wieder auf’s Neue.
20 Kommentare:
...noch ein Kandidat, der seine Selbstherrlichkeit vor sich her trägt...
Mir geht es wie Dir, sein menschliches Schicksal im Dritten Reich bewegt mich sehr. Aber was er an Arroganz an den Tag legt ist, kann dadurch nicht gerechtfertigt werden.
Das Benehmen von MMR ist unter aller Sau. Er behandelt die Menschen immer ohne jeden Respekt, ist überheblich und Schimpferei ist bei ihm an der Tagesordnung und Anstand hat er keinen. Ich frag mich echt, warum er sich immer alles erlauben kann und keiner ihn in die Schranken weisen tut.
Guten Morgen! Gestern Nachmittag las ich über "Eklat beim Fernsehpreis". Gottschalk mag ich nicht besonders, das "Shows" wie Barbara Salesch vor Jahren einen Fernsehpreis bekommen...,da brauchen wir uns nicht drüber unterhalten.
Klar, viel Müll wird ausgezeichnet und das ist auch schon beim Friedensnobelpreis passiert. Doch beim Fernsehpreis gibt es ja auch den Förder/Nachwuchspreis..
Davon ab, leichte, kurzweilige, trashige Unterhaltung ist auch okay, wenn man nach Hause kommt, während der Arbeit nur Zahlen im Kopf hatte, oder körperlich hart gearbeitet hat....kann man gut abschalten. Ja, ABSCHALTEN-kann man auch...den Fernseher!
Ich finde einfach, dass Herr Reich-Ranicki die falsche Person für diese berechtigte Kritik ist.
Sein Auftreten, sein diskursiver Stil und seine oftmals niedrige Sprache passen nicht zu der hohen moralischen Instanz, die er gerne verkörpern mag.
Im Gegenteil, sein provokanter und andere erniedrigender Stil steht im Niveau-Widerspruch zu seiner berechtigten Kritik.
Ich muß gestehen ich kenne den Kerl nicht...
Kannst Dich ja mal im Internet über ihn schlau machen...
Sie muss diesen überbewerteten Choleriker doch nicht kennen.
ich muss zugeben ich kenne diese Person auch nciht.... und ich finde so jemand ist es auch nciht wert das man ihn kennt....
Er hat heute Mittag RTL-Exclusiv ein Interview gegeben.
Wenn ihr noch Lust habt, könnt ich euch das ganze Interview ( ca. 3 Min.) unter
http://www.rtl.de/exclusiv/exclusiv.php
anschauen. Unter Videohighlights
"Das exclusive Interviwe am Tag danach".
Aber es ist sehr schade, wie er sich dem Reporter gegenüber benimmt ist echt Flegelhaft und frech!
Schaut selbst!
Ok, ich glaube das werde ich mir ankucken... Aber extra nach ihm zu gogglen, muß ich mir nicht geben ;-)
Wie kann man sich nur so arrogant, unverschämt und überheblich verhalten. Der Mann hat weder Stil noch Manieren.
Jepp, das habe ich mir auch gedacht, wo ich mir vorhin dies anschaute!
Und die Menschen decken ihn auch noch und loben ihn in der Presse und den Internetforen. Ich verstehe es nicht.
Was wäre, wenn Martin Walser oder Günther Grass oder ein anderer literarisch prominenter so gewettert hätte und sich immer so benehmern würde?
Ganz einfach, die Medien und das Publikum würden ihn vernichtend in seine Schranken weisen. Und Reich-Ranicki würde ihn als geistig verwirrt, dumm oder geisteskrank bezeichnen.
Heilmann hat recht, das ist mehr als paradox.
Ich find geil, dass der Heilmann Dinge ausspricht, die andere nicht zu sagen wagen. Egal ob hier, in der Zeitung oder in seinem Heimatort. Ein menschlicher Gewinn, ein Kämpfer für Gerechtigkeit, einer der für die Menschen da ist und sich für sie aufopfert.
Ich kenn ihn und ich mein das hier vollkommen ernt. An ihm können sich viele eiine große Scheibe abschneiden.
Ein Zitat von Reich-Ranicki:
"Die anständigen Menschen arbeiten um des Ruhmes und des Geldes willen. Die unanständigen wollen die Welt verändern und die Menschen erlösen."
Muss man dieser Einstellung noch etwas hinzufügen?
Sebastian, mich rührt ja Deine gute Meinung von mir, aber spar Dir das doch besser auf für meine Grabesrede in ein paar Jahrzehnten... ;-) Trotzdem vielen Dank!!
Zu RR ist das Meiste gesagt, charakterlos, flegelhaft und sich selbst überschätzend. Schade, dass es so Menschen gibt.
also das Interview hat mir gereicht, mehr brauch ich von dem Mann nicht zu wissen...
Ich bitte die deutsche TV-Landschaft inständig, uns mit weiteren Verbal-Eskapaden von Herrn Reich-Ranicki zu verschonen.
Diesem arrogante überhebliche Pseudo-Intellektuellen darf kein Platz im Fernsehen mehr gegeben werden.Dieser Mensch ist die personifizierte Unanständigkeit und sollte sich erst einer anständigen Sprache bedienen, bevor er sich selbst zum Moralisten hochstilisiert.Dass er in der TV-Landschaft nach wie vor geduldet wird, das ist der beste Beweis für das niedrige Niveau des Fernsehens.
Würde sich ein Anderer so benehmen, die Medien und die Zuschauer würden ihn echauffierend verachten.
Wenn der Mann seinen Mund öffnet, dann kommt nur selbstverliebtes Gestotter hervor, das mit einer Würze selbstverliebtem Sarkasmus auf Kosten anderer versehen und mit einem Schuss Fäkalsprache angereichert ist.
Reich-Ranicki ist ein gefährlicher Mann mit viel Macht und Einfluß in Deutschland.
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