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Montag, 13. April 2009

Ein Film über Marcel Reich-Ranicki - Anspruch und Wirklichkeit

Vor wenigen Tagen sah ich auf arte die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Autobiographie „Mein Leben“. Da mir seine Autobiographie als Buch wirklich gut gefallen hatte, war ich auf den Film gespannt und hatte große Erwartungen an die Verfilmung eines Lebens, das als Dokument deutscher Zeitgeschichte gelten kann. Leider konnte der hochgelobte Film besagte Erwartungen nicht erfüllen.

Dass der Film vom Buch öfters abweicht, das ist nichts Ungewöhnliches im cineastischen Alltag und kann als künstlerische Freiheit von Regisseur und Produzent gesehen werden. Dass man aber auf wirklich wichtige und das Leben prägende Ereignisse verzichtet hat und den Fokus der Films fast ausschließlich auf die Zeit des Nationalsozialismus einstellt, dass ist eine verpasste Chance, sich dem kontroversen Leben einer Person der Zeitgeschichte anzunähern. Besonders enttäuschend ist dabei, dass der Film mit Beginn der Tätigkeit als Kritiker (die im Buch ausführlich behandelt wird) abrupt endet, obwohl dieser Abschnitt des Lebens von Reich-Ranicki mit Sicherheit nicht weniger interessant wäre, als die Vorgeschichte dazu.

Während diese vornehmlich cineastischen Kritikpunkte den Film als bestenfalls mittelmäßig erscheinen lassen, sticht ein inhaltlicher Punkt besonders hervor. Meines Erachtens wird Reich-Ranickis zu intellektuell, zu gebildet und zu höflich dargestellt.

Zugegeben – der Literaturpapst, zu dem besser der Begriff Literaturflegel passen würde, wird im journalistischen Bild der deutschen Öffentlichkeit stets positiv und fern jeder Kritik dargestellt. Daran ist man längst gewohnt, ebenso wie an die Tatsache, dass er sich immer etwas weiter aus dem Fenster lehnen kann wie andere Menschen, dass man ihm mehr durchgehen lässt als anderen und er sich in einer Art unangreifbarer Blase in der Wirklichkeit befindet. Dies ist bekannt und fällt jedem des Sehens und Verstehens mächtigen Beobachter auf, der sich damit auseinandersetzt.

Die Diskrepanz zwischen dem Reich-Ranicki im Film und dem in der Wirklichkeit, diese könnte aber nicht größer sein. Im Film wird ein feingeistiger, intellektueller, gefühlvoller und höflicher Mensch gezeigt, der hervorragende Umgangsformen aufweist und ohne Umschweife als gediegener Feingeist bezeichnet werden kann. Die Wirklichkeit dagegen bietet einen Reich-Ranicki, der wenig intellektuell wirkt, sich oft intolerant, grobschlächtig und unhöflich gibt und andere Menschen respektlos behandelt. Zudem fällt die äußerst gewählte Ausdrucksweise der Filmfigur auf, die in starkem Kontrast zu der oftmals von Kraftausdrücken strotzenden Fäkalsprache des echten Reich-Ranickis steht.

Und so groß mein Respekt vor dem (Über)Leben Reich-Ranickis im Dritten Reich ist, so unpassend wirkt die Darstellung seiner Person im Film, die sich perfekt in das glorifizierende Bild eines Menschen in der Öffentlichkeit einfügt, das mit der Realität wenig zu tun hat.

Film und Mensch wirken dabei wie mediale Kunstprodukte oder überzeichnete literarische Figuren ohne den Anspruch des Bestehens vor der Messlatte der Wirklichkeit.

Freitag, 20. März 2009

Gaza - Da ist was faul im Staate Israel

Mit großem Entsetzen las ich heute in der Rhein-Neckar-Zeitung den Bericht des Korrespondenten Gil Yaron über die willkürlichen und menschenverachtenden Gräueltaten israelischer Soldaten in Gaza. Den Soldaten wurde von ihrer staatlichen und militärischen Führung systematisch der Weg zu willkürlichen Menschenrechtsverletzungen, Schändungen und auch Tötungen geebnet und gleichzeitig wurde ihnen eine Ideologie des auserwählten Volkes eingeimpft, die andere Menschen als minderwertig oder sogar als Untermensch klassifiziert.

Ich hoffe, dass die staatlichen, ethischen und Moralisten der Welt hier nicht wieder für Israel ein Auge zudrücken und (sich mitschuldig machend) wegsehen, sondern dass diese Verbrechen publik gemacht und in aller Schärfe verurteilt werden – rechtlich und moralisch. Da ist wirklich was faul im Staate Israel, und langsam reicht es.

Dienstag, 20. Januar 2009

Der heutige Tag gehört einem Menschen!

Der heutige Tag gehört Barack Obama, dem zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit ihm wird derart große Hoffnung verbunden, dass man schon fast von einer übermenschlichen Bürde auf seinen Schultern sprechen muss. Er symbolisiert Neuanfang, Diskontinuität, Antivermachtung, Menschlichkeit, Völkerverständigung und auf gewisse Art und Weise auch den berühmten "amerikanischen Traum". Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute und freue mich auf seine ersten politischen Schritte in den Gefilden einer Supermacht.

Macht bedeutet auch immer Verantwortung, und so verknüpfe ich mit ihm die Hoffnung auf ein globales politisches Umdenken in Amerika, auf bessere Bildungspolitik, auf weniger Nationalismus, auf weniger weltpolizeiliches Denken, auf weniger Finazmarktorientierung, auf weniger Israelhörigkeit, auf mehr Miteinander, auf mehr menschliche Gleichheit und insgesamt auf mehr Weitblick...

Alles Gute, Barack!

Dienstag, 30. Dezember 2008

Die vergebliche Suche nach sozialdemokratischem Anstand...

Vollmundig haben Franz Müntefering und andere Funktionäre der SPD wieder in der Öffentlichkeit verkündet, dass man sich auf Landesebene die Option zur Regierungszusammenarbeit mit der blutbefleckten SED-PDS-Linkspartei offen halten werde, aber jegliche Zusammenarbeit mit der SED-PDS-Linkspartei auf Bundesebene ablehne beziehungsweise ausschließe.

Ich bin wirklich fassungslos über diese schamlose Dreistigkeit. Denn man verschweigt hier, dass gemäß des föderalistischen Prinzips unseres Grundgesetzes die Länder an der Gesetzgebung des Bundes mitwirken und mitbestimmen. Somit haben Koalitionen mit der SED-PDS-Linkspartei direkten Einfluss auf die Gesetzgebung des Bundes und andere Bundesangelegenheiten...und ein Blick in die Protokolle der Sitzungen des Bundesrates zeigt, dass die (angeblich nicht existierende) Zusammenarbeit zwischen SPD, Grünen und SED-PDS-Linkspartei längst praktiziert wird und vorbildlich funktioniert.