Mittwoch, 29. April 2009

Änderungen im Blog-Geschehen

Aufgrund bestimmter Geschehnisse habe ich mich entschlossen, in diesem Blog keine privaten Inhalte mehr zu veröffentlichen. In diesem Sinne wurden auch alle bisherigen privaten Postings gelöscht. Besagte private Inhalte finden sich nur noch auf dem eigens dafür eingerichteten Blog http://www.hph-himself.blogspot.com, der durch ein Paßwort geschützt und nur bestimmten Personen zugänglich ist.

In diesem Blog hier wird weiterhin kritisch, provokativ, ehrlich, durchdacht und nicht immer politisch ganz korrekt über das aktuelle Zeitgeschehen und ähnliches berichtet werden.

Allen Lesern weiterhin viel Spaß und gute Unterhaltung im Taugeviel-Blog! Und wer sich des privaten Blogs für würdig erachtet, der sende mir an HPH(at)gmx.com eine kurze Mail.

Dienstag, 28. April 2009

Humanistische Rufe für Perspektivenwechsel

Betrachtet man die dritte Weltkonferenz gegen Rassismus der Vereinten Nationen, so stellt sich wieder einmal die Frage, wie viel Kritik am Staate Israel erlaubt ist. Dabei geht es nicht um Hasstriaden eines Mahmud Ahmadinedschad, dessen erklärtes Ziel die Vernichtung des jüdischen Staates ist und der deswegen schon vorab als ernst zu nehmender Gesprächspartner bezüglich der Politik Israels abzulehnen ist. Nein, es geht vielmehr darum, warum Kritik am Staate Israel derart tabuisiert wird, dass eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von UN-Mitgliedern sich besagter Konferenz verweigerte und so jegliche Konfrontation oder inhaltliche Auseinandersetzung über Israels Politik vermieden hat. Es geht darum, warum offenkundige Menschenrechtsverletzungen in Israel systematisch aus der öffentlichen Meinung ausgeblendet werden, unabhängig ob dies in den Medien, der Mehrheit der NGOs oder insbesondere der Politik geschieht. Die Absurdität steigert sich im supranationalen Sinne derart, dass die Vereinigten Staaten jede Resolution des UN-Sicherheitsrates durch ihr Vetorecht verhinderten, sobald die Politik des Staates Israel auch nur annähernd gerügt oder verurteilt werden soll.

Menschrechtsaktivisten, Journalisten, Wissenschaftler und Politiker haben Hemmungen davor, sich derartiger Themen anzunehmen und weichen diesen – wie oben bereits erwähnt – systematisch aus. Der Versuch einzelner Gewissenhafter sich mit dieser Thematik doch zu befassen wird in vielen Fällen mit Entziehung der Publikationsplattformen, Behinderungen der (Recherche-)Arbeit und im schlimmsten Falle mit persönlichkeitsschädigenden oder karrierevernichtenden Verleumdungen bestraft. Eine Diskussion um das eigentliche Thema kann sich so nicht entwickeln beziehungsweise wird von vornherein unterbunden.

Doch Kritik am Staate Israel ist notwendig und auch geboten. Menschenrechtsverletzungen, Minderheitenhass und Rassismus darf auch dort nicht weiter unberücksichtigt bleiben, insbesondere nicht wenn dies im staatlichen oder habstaatlichen militärischen Gewandte erfolgt. Derartige Defizite dürfen nicht bewusst ungesehen bleiben, denn eine humanistische Ethik hat keinen Platz für Ausnahmen und würde sich selbst ad absurdum führen wenn in ihrer Anschauung nicht alle Menschen gleich wären.

In diesem Sinne muss der Staat Israel wie jeder andere Staat in der Weltstaatengemeinschaft behandelt werden – nicht schlechter und auch nicht besser. Der Holocaust impliziert keine besondere Verantwortung gegenüber Israel. Nein, der Holocaust lehrt und verlangt eine besondere Verantwortung aller Menschen und aller Länder für alle Menschen und für alle Länder. Erst wenn der Mensch allein an seinen Handlungen und Taten gemessen wird und Nationalität, Hautfarbe, Religion etc. keine Rolle mehr spielt, dann wurde aus der Geschichte gelernt. Leider existiert noch zu viel Lernbedarf – überall und hier…

Montag, 13. April 2009

Ein Film über Marcel Reich-Ranicki - Anspruch und Wirklichkeit

Vor wenigen Tagen sah ich auf arte die Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Autobiographie „Mein Leben“. Da mir seine Autobiographie als Buch wirklich gut gefallen hatte, war ich auf den Film gespannt und hatte große Erwartungen an die Verfilmung eines Lebens, das als Dokument deutscher Zeitgeschichte gelten kann. Leider konnte der hochgelobte Film besagte Erwartungen nicht erfüllen.

Dass der Film vom Buch öfters abweicht, das ist nichts Ungewöhnliches im cineastischen Alltag und kann als künstlerische Freiheit von Regisseur und Produzent gesehen werden. Dass man aber auf wirklich wichtige und das Leben prägende Ereignisse verzichtet hat und den Fokus der Films fast ausschließlich auf die Zeit des Nationalsozialismus einstellt, dass ist eine verpasste Chance, sich dem kontroversen Leben einer Person der Zeitgeschichte anzunähern. Besonders enttäuschend ist dabei, dass der Film mit Beginn der Tätigkeit als Kritiker (die im Buch ausführlich behandelt wird) abrupt endet, obwohl dieser Abschnitt des Lebens von Reich-Ranicki mit Sicherheit nicht weniger interessant wäre, als die Vorgeschichte dazu.

Während diese vornehmlich cineastischen Kritikpunkte den Film als bestenfalls mittelmäßig erscheinen lassen, sticht ein inhaltlicher Punkt besonders hervor. Meines Erachtens wird Reich-Ranickis zu intellektuell, zu gebildet und zu höflich dargestellt.

Zugegeben – der Literaturpapst, zu dem besser der Begriff Literaturflegel passen würde, wird im journalistischen Bild der deutschen Öffentlichkeit stets positiv und fern jeder Kritik dargestellt. Daran ist man längst gewohnt, ebenso wie an die Tatsache, dass er sich immer etwas weiter aus dem Fenster lehnen kann wie andere Menschen, dass man ihm mehr durchgehen lässt als anderen und er sich in einer Art unangreifbarer Blase in der Wirklichkeit befindet. Dies ist bekannt und fällt jedem des Sehens und Verstehens mächtigen Beobachter auf, der sich damit auseinandersetzt.

Die Diskrepanz zwischen dem Reich-Ranicki im Film und dem in der Wirklichkeit, diese könnte aber nicht größer sein. Im Film wird ein feingeistiger, intellektueller, gefühlvoller und höflicher Mensch gezeigt, der hervorragende Umgangsformen aufweist und ohne Umschweife als gediegener Feingeist bezeichnet werden kann. Die Wirklichkeit dagegen bietet einen Reich-Ranicki, der wenig intellektuell wirkt, sich oft intolerant, grobschlächtig und unhöflich gibt und andere Menschen respektlos behandelt. Zudem fällt die äußerst gewählte Ausdrucksweise der Filmfigur auf, die in starkem Kontrast zu der oftmals von Kraftausdrücken strotzenden Fäkalsprache des echten Reich-Ranickis steht.

Und so groß mein Respekt vor dem (Über)Leben Reich-Ranickis im Dritten Reich ist, so unpassend wirkt die Darstellung seiner Person im Film, die sich perfekt in das glorifizierende Bild eines Menschen in der Öffentlichkeit einfügt, das mit der Realität wenig zu tun hat.

Film und Mensch wirken dabei wie mediale Kunstprodukte oder überzeichnete literarische Figuren ohne den Anspruch des Bestehens vor der Messlatte der Wirklichkeit.

Samstag, 11. April 2009

"Ich bin dann mal weg..."

Nein, nicht ich. Leider nicht! Habe nur heute seit langer Zeit endlich mal wieder ein Buch zu lesen begonnen, das nichts mit Geschichte, Politik und einer anderen Geistes- oder Sozialwissenschaft zu tun hat. Die Rede ist von Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg", in welchem er seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg beschreibt. Nach Lektüre der ersten beiden Kapitel ist mein Interesse am Weiterlesen durchaus noch vorhanden und ich bin auf den Fortgang des Werkes gespannt. Zu gegebener Zeit werde ich über das Buch ausführlicher berichten. Vielleicht sogar im Rahmen einer Rezension. Oder ich fange auch mal mit der Planung einer eigenen Pilgerreise an. Interessieren täte es mich allemal...

Mittwoch, 8. April 2009

Gesine Schwan, das Alter und die Kompetenz

In einem wahlkämpferischen Interview in ihrem Kampf um das eigentlich unpolitische Bundespräsidentenamt führt Gesine Schwan heute in der Rhein-Neckar-Zeitung aus, dass Wirtschaftsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg noch sehr jung sei und noch einiges lernen müsse. Nun ja, ich hätte Frau Schwan ein wenig mehr zugetraut, als die Kompetenz eines Menschen mit der Höhe seines Alters gleich zu setzen.

Es ist aber leider eine oft zu beobachtende beliebte Strategie älterer Zeitgenossen, sich aufgrund ihres höheren Alters gegenüber jüngeren Zeitgenossen in argumentativem Vorteil zu sehen. So ersetzt in einer Diskussion gerne der Verweis auf das eigene (höhere) Alter und die damit verbundene angebliche oder auch vorhandene Erfahrung das stichhaltige Argument, welches dann natürlich nicht mehr erbracht werden muss.

Die Verwendung dieses Pseudoarguments, dem Verweis auf Alter und Erfahrung anstelle eines inhaltlichen fundierten Arguments, steigt in ihrer Häufigkeit meistens in umgekehrter Relation zum Bildungsgrad der das Pseudoargument verwendenden Person.

Alter schützt eben doch vor Torheit nicht. Und eigentlich tut jeder Mensch gut daran, sein ganzes Leben lang zu lernen, unabhängig von Alter, Herkunft, Bildungsgrad oder sozialer Stellung.

Freitag, 20. März 2009

Gaza - Da ist was faul im Staate Israel

Mit großem Entsetzen las ich heute in der Rhein-Neckar-Zeitung den Bericht des Korrespondenten Gil Yaron über die willkürlichen und menschenverachtenden Gräueltaten israelischer Soldaten in Gaza. Den Soldaten wurde von ihrer staatlichen und militärischen Führung systematisch der Weg zu willkürlichen Menschenrechtsverletzungen, Schändungen und auch Tötungen geebnet und gleichzeitig wurde ihnen eine Ideologie des auserwählten Volkes eingeimpft, die andere Menschen als minderwertig oder sogar als Untermensch klassifiziert.

Ich hoffe, dass die staatlichen, ethischen und Moralisten der Welt hier nicht wieder für Israel ein Auge zudrücken und (sich mitschuldig machend) wegsehen, sondern dass diese Verbrechen publik gemacht und in aller Schärfe verurteilt werden – rechtlich und moralisch. Da ist wirklich was faul im Staate Israel, und langsam reicht es.